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	<title>DMZ - Deutsche Militärzeitschrift</title>
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		<title>Tausendsassa „Bradley“</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 14:54:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Waffentechnik]]></category>

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		<description><![CDATA[Leistungsstarker Späh- und Schützenpanzer der US-Armee
Als 1967 der sowjetische Schützenpanzer BMP-1 im Rahmen der Oktoberparade auf dem Roten Platz erstmals in der Öffentlichkeit auftauchte und nicht mal ein Jahr später bereits erste Modelle an die Nationale Volksarmee der DDR ausgeliefert wurden, versetzte das neue Fahrzeug der NATO einen regelrechten Schock. Der BMP war ein Schützenpanzer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-522" href="http://www.d-mz.de/archives/521/85dmz1"><img class="alignleft size-medium wp-image-522" title="85dmz1" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2011/12/85dmz1-300x148.jpg" alt="85dmz1" width="300" height="148" /></a>Leistungsstarker Späh- und Schützenpanzer der US-Armee</strong></p>
<p>Als 1967 der sowjetische Schützenpanzer BMP-1 im Rahmen der Oktoberparade auf dem Roten Platz erstmals in der Öffentlichkeit auftauchte und nicht mal ein Jahr später bereits erste Modelle an die Nationale Volksarmee der DDR ausgeliefert wurden, versetzte das neue Fahrzeug der NATO einen regelrechten Schock. Der BMP war ein Schützenpanzer einer neuen Generation, der Westen hatte dem nichts Gleichwertiges entgegen­zusetzen.<span id="more-521"></span></p>
<p>Zwar wurde in Deutschland bereits seit 1959 der überlegene Schützenpanzer Marder entwickelt, die Serienfertigung sollte aber erst 1969 beginnen, 1971 konnte das erste Fahrzeug an die Bundeswehr ausgeliefert werden. Bis dahin stand die NATO im Zugzwang. Die Unterlegenheit auf diesem Gebiet und die Erfahrungen im Vietnamkrieg führten den US-Militärs schnell die Notwendigkeit zur Beschaffung eines neuen Schützenpanzers vor Augen. Das neue Fahrzeug mußte erstens in der Lage sein, dem BMP-1 Paroli zu bieten, im Verbund mit Kampfpanzern zu wirken und seine Insassen vor sowjetischen ABC-Angriffen zu schützen, und zweitens den Erfahrungen im Kampf gegen den Vietcong Rechnung tragen – es sollte den Kampf über die Bordwand ermöglichen und die Soldaten im hinteren Kampfraum wirksam vor Panzer­abwehrwaffen und -minen schützen.</p>
<p>Der Schützenpanzer M2 Bradley sollte diese Lücke in der US-Armee füllen. Das Fahrzeug setzte bei seiner Einführung in die Streitkräfte neue Maßstäbe und ist bis heute als Schützenpanzer eines der effektivsten Gefechtsfahrzeuge der US-amerikanischen Infanterie. Als M3 Bradley wird er zudem als Spähpanzer eingesetzt.</p>
<p><strong>Die Entwicklung des M2/3 Bradley</strong><br />
Zwar wurde aufgrund diverser Mängel des M113 – das Fahrzeug bot beispielsweise keine Möglichkeit zum Kampf über die Bordwand, und die Soldaten waren nicht vor ABC-Waffen geschützt – bereits zu Beginn der 1960er Jahre das Mechanized Infantry Combat Vehicle-Program (MICV) ins Leben gerufen, allerdings kam die Entwicklung eines alternativen Fahrzeugs nur äußerst schleppend voran. 1966 wurde das Programm sogar zwischenzeitlich eingestellt. Mit dem Auftauchen des BMP-1 wurde man sich des dringenden und bisher verkannten Bedarfs schlagartig bewußt. Die Firma Food Machinery Cor­poration (FMC, heute unter dem Namen BAE Systems eine der größten Waffenschmieden der Welt) bekam den Auftrag, einen Schützenpanzer auf Basis des M113 zu entwickeln. Allerdings konnte der Prototyp XM765 nicht überzeugen. Nachdem zwischenzeitlich die Nutzung der deutschen Entwicklung „Marder“ geprüft, aber als Lösung ebenfalls verworfen wurde, bekamen erneut mehrere Firmen den Auftrag, entsprechende Entwürfe vorzulegen. Schließlich erhielt der XM723 von FMC den Zuschlag, obwohl er nicht alle vorgegebenen Anforderungen erfüllte. Der Prototyp glich dem späteren Bradley äußerlich bereits sehr.</p>
<p>Etwa zeitgleich zeichnete sich der Bedarf nach einem neuen Aufklärungsfahrzeug ab – die Armee suchte allerdings erfolglos nach einem geeigneten Spähpanzer als Ersatz für den veralteten M114. Da die Entwicklung eines völlig neuen Vehikels jedoch zu kostenintensiv gewesen wäre, mußte eine andere Lösung gefunden werden. Schließlich wurde man auf den XM723 aufmerksam, da dieser Prototyp eines Schützenpanzers bereits viele Anforderungen an den neu zu beschaffenden Spähpanzer erfüllte.</p>
<p>Das Projekt gewann damit erneut an Bedeutung, da zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden konnten. Gewisse Änderungen in der Konzeption waren nötig, um das als Schützenpanzer entwickelte Modell auch als Spähpanzer tauglich zu machen – so wurde beispielsweise der für den Schützenpanzer geplante Ein-Mann-Turm durch eine Zwei-Mann-Variante ersetzt, um dem nun durch einen Richtschützen entlasteten Kommandanten bessere Übersicht über das Gefechtsfeld zu gewährlei­sten. Die Zusammenführung der Konzepte kam aber letztendlich gut voran.</p>
<p>Die Kosten für den Panzer waren durch die komplizierter gewordene Konzeptionierung enorm gestiegen, was immer wieder zu Diskussionen und sogar mehrmals zur vorübergehenden Einstellung des Projekts durch den Kongreß führte. FMC setzte die Entwicklung dennoch fort und konnte der Armee 1978 einen Prototyp zur Verfügung stellen. Obwohl die Kosten mittlerweile auf deutlich über eine halbe Million Dollar pro Fahrzeug gestiegen waren, hielten die Militärs das Fahrzeug aufgrund seiner Leistungsfähigkeit für kosteneffizient und setzten eine Einführung in die Truppe durch. 1981 konnten die ersten, mittlerweile in M2 (Schützenpanzer) beziehungsweise M3 (Spähpanzer) Bradley umbenannten Fahrzeuge an die Streitkräfte übergeben werden.</p>
<p><strong>Aufklären und unterstützen</strong><br />
Mit dem Bradley verfügte die US-Armee nun über ein leistungsstarkes Gefechtsfahrzeug, das in der Lage war, Infanteristen unter Panzerschutz auf das Gefechtsfeld zu transportieren und mit ihnen unter Wechsel der Kampfweise zusammenzuwirken, effektiv Aufklärungsaufträge auszuführen und nicht zuletzt im Kampf der verbun­denen Waffen mit dem Kampfpanzer M1 Abrams auf dem Gefechtsfeld zu bestehen.</p>
<p>Im Zusammenwirken mit abgesessener Infanterie kann der Bradley Unterstützungsfeuer geben, feindliche Infanterie niederhalten oder vernichten und gepanzerte wie ungepanzerte feindliche Fahrzeuge bekämpfen.</p>
<p>Im Zusammenwirken mit Kampfpanzern sollen M1 Abrams aufgrund der besseren Panzerung und der durchschlagskräftigeren Bewaffnung die Angriffsspitze bilden, während die Schützenpanzer den Flankenschutz übernehmen. In durchschnittenem, bewaldetem oder urbanem Gelände hingegen schützen der Bradley und die abgesessene Infanterie die hier in ihren Fähigkeiten ein­geschränkten eigenen Kampfpanzer vor feindlichen Panzervernichtungstrupps und ähnlichen Bedrohungen.</p>
<p>Die äußerliche Ähnlichkeit der beiden Versionen M2 und M3 des Bradley – beide Fahrzeuge sind optisch kaum zu unterscheiden – bietet im Einsatz zudem einen wei­teren Vorteil: Da der Feind zwischen Späh- und Schützenpanzern nicht unterscheiden kann, wird ihm ­gleichzeitig das Unterscheiden zwischen Voraus- und Hauptkräften erschwert.</p>
<p>Seitdem die US-Streitkräfte zunehmend mit asymme­trisch kämpfenden Gegnern in urbanem Gelände konfrontiert sind – wie beispielsweise in Afghanistan und im Irak –, liegt der Einsatzschwerpunkt des M2 Bradley vor allem in der Unterstützung eigener Infanterie in städ­tischem Gebiet. Zwar sind Panzer in urbanem Gelände anfällig und müssen von der eigenen Infanterie geschützt werden, trotzdem erwies sich der Einsatz von Schützenpanzern hier als sinnvoll. Die Panzer sind in der Lage, feindliche Kräfte effektiv niederzuhalten oder zu bekämpfen. Sie können zudem durchschlagskräftiges Unterstützungs- und Deckungsfeuer geben, Mauerdurchbrüche schaffen und befestigte Fahrzeuge und Stellungen vernichten, womit sie die Infanterie alles in allem wertvoll ergänzen.</p>
<p><strong>Bewaffnung und technische Daten</strong><br />
Dem Bradley steht zur Erfüllung seiner Aufgaben eine überzeugende Bewaffnung zur Verfügung. Ausgestattet mit der 25 mm-Bordmaschinenkanone M242 Bush­master, kann der Schützenpanzer sowohl mit Einzel- als auch mit Dauerfeuer wirken. Dabei können theoretisch bis zu 200 Schuß pro Minute abgegeben werden. Der Bradley ist in der Lage, HEI-Sprengbrandgeschosse (High Explosive Incendary) zur Bekämpfung von Infanterie und ungepanzerten Fahrzeugen oder APFSDS-Geschosse (panzerbrechende Wuchtgeschosse der neusten Generation) zum Vernichten gepanzerter Ziele zu verschießen. Die verwendete panzerbrechende Munition kann auf eine Entfernung von bis zu 2.500 Metern effektiv eingesetzt werden, die Durchschlagskraft wird von der US-Armee allerdings geheim gehalten. Die gesamte Waffenanlage ist stabilisiert und kann somit auch während der Fahrt wirksamer eingesetzt werden. Ursprünglich wurde der Bradley zur Bekämpfung gepanzerter Ziele mit APDS-Geschossen (Armor Piercing, Discarding Sabot) aufmunitioniert, die speziell zur Durchschlagung der vorderen Turmpanzerung des BMP-1 aus einer Entfernung von über 800 Metern – also der optimalen Kampfentfernung des BMP-1 – entwickelt worden war. Dies verdeutlicht einmal mehr, wie sehr die NATO bemüht war, ein kampfstärkeres Gegenmodell zum BMP zu entwickeln.</p>
<p>Als Sekundärbewaffnung verfügt der Bradley über ein M240-Maschinengewehr im NATO-Kaliber 7,62 x 51 mm. Außerdem verfügt der Bradley über eine TOW-Waffenanlage (Tube Launched Optically Tracked Wire Guided Missile), einer Panzerabwehrlenkwaffe zur effektiven Bekämpfung von Kampfpanzern. Zwei Lenkflugkörper befinden sich ständig in der Waffenanlage – der M2 führt weitere fünf, der M3 sogar weitere zehn Flugkörper in Reserve mit. Für Deckung beim Absitzen der Schützen oder beim Ausweichen sorgt eine Nebelmittelwurfanlage.</p>
<p>Der Bradley ist durch eine Aluminiumpanzerung geschützt, die geringeren Schutz bietet als eine Stahlpan­zerung von gleicher Dicke. Zur Verstärkung ist an den Seiten und am Turm eine Schottenpanzerung aus Stahlplatten angebracht. Vor Minen ist der Bradley durch eine 9,5 mm dicke Stahlplatte im vorderen Bereich der unteren Wanne geschützt. Ab der Version A2 verfügt der Bradley an der Front, beiden Seiten, dem Turm und dem Wannenboden über zusätzliche massive Stahlpanzerung, die einem Beschuß aus Waffen bis zu einem Kaliber von 30 mm standhält. Das Heck wird durch Stahlschotten geschützt. Die Aluminiumpanzerung macht den Panzer besonders anfällig für Brandwaffen aller Art, da das Metall ab einer Temperatur von 400° Celsius schmilzt und der Panzer damit zerstört wird.</p>
<p>Mit dem 600 PS starken Motor erreicht der Bradley eine Höchstgeschwindigkeit von über 60 Kilometern pro Stunde auf einer Reichweite von etwa 400 Kilometern. Das Fahrzeug ist bis zu einer Tiefe von 1,20 Metern watfähig. Es kann Steigungen von bis zu 60 Prozent überwinden und Hindernisse bis 76 cm Höhe „überklettern“.</p>
<p>Der Bradley ist in allen Fahrzeugversionen in den Flugzeugen C-5 Galaxy und C-17 Globemaster luftverlastbar.</p>
<p>Während der M3 Bradley mit fünf Soldaten – Kommandant, Richtschütze, Fahrer und zwei Aufklärer – besetzt ist, besteht die Besatzung des M2 aus zehn Männern. Im vorderen Kampfraum finden Fahrer, Richtschütze und Kommandant Platz. Im hinteren Kampfraum ist der Schützentrupp untergebracht. Ursprünglich bildeten sechs Soldaten den Schützentrupp, nach einer Umgestaltung des hinteren Kampfraumes während der Entwicklung des M2A2 ODS (Operation Desert Storm, Erster Golfkrieg) konnte der Trupp auf sieben Mann aufgestockt werden.</p>
<p><strong>Bis 2045 im Einsatz</strong><br />
Seinen umfangreichsten Einsatz erlebte der Bradley bisher im Rahmen der Operation Desert Storm im Ersten Golfkrieg gegen den Irak. Er bewährte sich voll und konnte alle Erwartungen der US-Armee erfüllen. Es gelang problemlos, gemeinsam mit den M1 Abrams-Kampfpanzern zu wirken. Der Bradley konnte neben Schützenpanzern der Typen BMP-1 und BMP-2 auch ­T-55-Kampfpanzer russischer Bauart vernichten. Mit Hilfe der TOW-Lenkflugkörper wurden T-72-Panzer effektiv bekämpft.</p>
<p>Der Bradley ist heute in verschiedenen Versionen im Einsatz. Bis Ende des Jahres 2011 wurden die Modelle M2A3 und M3A3 in Serie gefertigt. Die US-Armee will ihre Fahrzeuge komplett auf den Stand der Versionen A3 oder ODS aufrüsten. Der Bradley soll in den Streitkräften der Vereinigten Staaten voraussichtlich noch bis 2045 Dienst tun und wird deshalb in vielerlei Hinsicht immer wieder kampfwertgesteigert und modernisiert. 2008 bekam die Waffenschmiede BAE Systems den Zuschlag zur Lieferung eines Bradley Urban Survival Kit (BUSK), welches den Panzer noch besser an die Herausforderungen in urbanem Gelände anpassen soll. Unter anderem bringt das BUSK ein zweites Maschinengewehr, welches durch den Kommandanten bedient wird, und verbesserten Schutz gegen Minen und IEDs (unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtungen) mit sich.</p>
<p>Neben den USA wird der Bradley auch von Saudi-Arabien genutzt, das heute über 400 Bradley-Panzer verfügt. Insgesamt wurden über 6.700 Fahrzeuge produziert.</p>
<p>Ulli Vader</p>
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		<title>Psycho-Krieger</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 14:49:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fotos toter Kinder und PR-Kampagnen, Anschuldigungen und Ultimaten, Schalmeienklänge und Rebellen-TV: In Libyen versuchten alle Akteure, sich mittels psychologischer Kriegsführung zu behaupten, auf die Gegenseite Einfluß zu nehmen und ihre Ereignisdeutung durchzusetzen. Und dies nicht nur im Land selbst, sondern auch vor der Weltöffentlichkeit.
Im Libyenkonflikt sei „every tool in our toolbox“ (jedes zur Verfügung stehende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-516" href="http://www.d-mz.de/archives/515/85dmz3"><img class="alignleft size-medium wp-image-516" title="85dmz3" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2011/12/85dmz3-300x148.jpg" alt="85dmz3" width="300" height="148" /></a>Fotos toter Kinder und PR-Kampagnen, Anschuldigungen und Ultimaten, Schalmeienklänge und Rebellen-TV: In Libyen versuchten alle Akteure, sich mittels psychologischer Kriegsführung zu behaupten, auf die Gegenseite Einfluß zu nehmen und ihre Ereignisdeutung durchzusetzen. Und dies nicht nur im Land selbst, sondern auch vor der Weltöffentlichkeit.</strong></p>
<p>Im Libyenkonflikt sei „every tool in our toolbox“ (jedes zur Verfügung stehende Mittel) verwendet worden, so der Direktor des Vereinigten Stabs des US-Militärs, Vize­admiral William Gortney. Dazu gehört auch die psychologische Kriegsführung – bei den Amerikanern die Psychological Operations (PSYOPS). Die Amerikaner benannten so 1945 ihre Maßnahmen, Japan zur Kapitulation zu bewegen. Heute bedienen sich die Akteure auf allen wirtschaftlichen und militärischen Kriegsschauplätzen der psychologischen Kriegsführung – selbst die Taliban, für die Medien und PR lange Zeit des Teufels waren, operieren neuerdings mit Facebook und Twitter. Und so auch in Libyen: Die westliche Koalition wandte sie an, die Aufständischen und nicht zuletzt das schließlich von den Rebellen ermordete Staatsoberhaupt, Oberst Muammar al-Gaddafi. Allen war klar: Wie immer sich die Lage in Libyen noch entwickeln möge, die „Kommunikation“ würde dabei eine wichtige Rolle spielen. Es galt und gilt auch nach Gaddafis Tod noch, was General Schwarzkopf, 1991 Kommandeur der Koalitionskräfte im Zweiten Golfkrieg, formulierte: „Ich wußte in der Theorie, wozu PSYOPS da sind – das hatte ich in der Schule gelernt. Aber als ich PSYOPS aus erster Hand erlebte, erkannte ich ihren Wert, der weit größer ist, als ich angenommen hatte. In Zukunft werde ich mich vor jeder Operation um PSYOPS kümmern.“<span id="more-515"></span></p>
<p><strong>Stoßrichtungen der Koalition</strong><br />
Die Koalition wandte sich zum einen an die libysche Bevölkerung, setzte sie über die Operationen ins Bild und forderte sie unter anderem mit Propagandaflugblättern auf, sich dem Aufstand anzuschließen. Im Wettstreit um die hearts and minds (die Herzen und den Verstand) wurde betont, daß sich die Waffen ausschließlich gegen die regierungstreuen Truppen richteten – ein Anspruch, der mit den unzähligen zivilen Opfern durch die NATO-Bombardements unvereinbar war, und der zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Rußland und den USA beziehungsweise Großbritannien betreffend dieser „Kollateralschäden“ führte.</p>
<p>Zum zweiten standen die engsten Paladine Gaddafis im Zentrum der Propagandabemühungen. Sie wurden – analog zu Anti-Saddam-Kampag­nen im Dritten Golfkrieg – mit Mails, Fax und SMS regelrecht bombardiert. Diese Maßnahmen dürften mit entscheidend für die Flucht von Außenmini­ster Musa Kusa gewesen sein. Das gilt auch für den Ölminister Schukri Ghanem, der sich auf die Seite der Aufständischen schlug, oder beispielsweise für die fünf Generäle, die Ende Mai den Dialog mit der Koa­lition suchten.</p>
<p>Drittens wurden Gaddafis Truppen aufgerufen, nicht gegen ihre Landsleute vorzugehen und die Waffen niederzu­legen. Drastisch gestaltete Flugblätter stellten sie vor die Alternative, diesem Appell zu folgen oder mit dem Leben zu bezahlen. Parallel dazu verliehen die Bombenangriffe auf Kommandozentralen oder, wie Ende Juli, auf drei Satellitenantennen des libyschen Staatsfernsehens der Propaganda Nachdruck. Hinzu kam – wie die PSYOPS ein Element der sogenannten Information Operations (Info Ops) – die elektronische Kriegsführung mit dem Ziel, die Kommunikation zwischen Gaddafi und seinen Truppen zu unterbrechen. Es gab also umfassende Bestrebungen, den Informationsraum zu dominieren.</p>
<p>Die Kommunikation war Bestandteil eines durchorchestrierten Arsenals von Operationen und politischen Schachzügen. So sollte die erste Sitzung des Übergangsrates im März ein strategisches Momentum ins Spiel bringen, ebenso Gelder aus Berlin über 144 Mio. Euro und aus Washington über 938 Mio. US-Dollar sowie die Freigabe von bislang eingefrorenen 91 Millionen Pfund aus dem libyschen Öl­geschäft zu Händen der Rebellen. Hinzu kam, daß die USA die Rebellen bereits im Juli 2011 als offizielle Vertreter Libyens anerkannten.</p>
<p>Die Koalition aber hatte einen Schwachpunkt: Sie trat zu wenig geschlossen auf. So hatte jede Nation einen eigenen Namen für ihren Libyeneinsatz. Es fehlte über weite Strecken eine konsistente Kommunikation. Parolen wie „no boots on the ground“ (keine Stiefel auf dem Boden) hatten an Überzeugungskraft eingebüßt – nicht zuletzt wegen der Militärberater, die Großbritannien, Frankreich und Italien in ihre Einsatzkonzepte zur Unterstützung der Rebellen aufgenommen hatten. Ende Juli 2011 hatten London und Paris eine Intensivierung der militärischen Anstrengungen gefordert, in den Reihen der Koalition indes kein Gehör gefunden. Eine stabile Front sieht anders aus.</p>
<p>Hinzu kam eine Schwierigkeit, mit der das Militär immer wieder zu kämpfen hat: Es ist per se gut gerüstet für eindeutige Aufträge wie „Sperren“, „Halten“ oder „Vernichten“, weniger aber für stets neu zu interpretierende wie jenen der „humanitären Militäroperation“, der sich von der Uno-Resolution 1973 ableitete. Im Hinblick auf die Kommunika­tion sind solche Aufträge für die Militärs eine unglaubliche Schwierigkeit.</p>
<p>Nach der Ausrufung des Nationalen Übergangsrats als offizieller Vertretung Libyens im September verschwand das Thema Libyen von den Titelseiten der westlichen Zeitungen. Erst der Tod Gaddafis Mitte Oktober sorgte wieder für Aufsehen. Die unterschiedlichen Gerüchte um seine Entdeckung und Tötung passen auf seltsame Weise zur Dramaturgie, mit der sich Gaddafi über all die Monate hin selbst inszenierte. Daß man den Ort seiner Bestattung geheim hält, hat indes handfeste psychologische Gründe: Wie bei Saddam Hussein sollte kein Wallfahrtsort entstehen.</p>
<p><strong>Rebellen-TV</strong><br />
Die Aufständischen mußten indes, nach dem gewalt­samen Tod ihres Oberkommandierenden Abdel Fattah Junis im Juli, eine heikle Phase durchstehen – und zwar nicht zuletzt in Hinsicht auf die Kommunikationsfront, wo möglichst viel Konsistenz und Konstanz angezeigt waren.</p>
<p>Bemerkenswert ist der seit dem April von Katar aus betriebene Propaganda-Fernsehsender Libya TV, der „neue Kanal für die freien Libyer“. Libya TV operiert, wie das bei PSYOPS immer häufiger der Fall ist, mit zivilem Fachwissen: Das Management und die rund hundert Mitarbeiter sind Profis, rekrutiert über Facebook und Exilantenkreise. Unterstützung bietet zudem BBC. Dem Zuschauer begegnet revolutionärer Schwung – so verzichten die Moderatorinnen ostentativ auf den Schleier. Gesendet wird täglich zwölf Stunden lang mit einem einstündigen Nachrichtenblock über Mittag. Finanziert wird der Sender von Exil-Libyern; ein in Großbritannien lebender Geschäftsmann spendete 200.000 Pfund. Der vom katarischen Emir al-Thani finanzierte Sender Al Dschasira sowie die Rebellen-Internetseite Libya al-yaum waren und sind weitere Anti-Gaddafi-Stimmen im Kampf um die Deutungshoheit, der sich um die Frage dreht: Wessen Version der Dinge setzt sich durch?</p>
<p><strong>Schalmeienklänge und Kampf gegen Windmühlen</strong><br />
Den Aufständischen gegenüber standen die Regierungs­medien sowie zeitweilige Internetabschaltung, elektronische Kriegsführung und Schikanen bis hin zu Gewalt gegenüber westlichen Journalisten, die offensichtlich die Propagandatrommel zugunsten der Rebellen rührten. So ist im April der britische Fotograf und Oscar-nominierte Filmemacher Tim Hetherington getötet worden, dessen Bild eines US-Soldaten in Afghanistan zum Foto des Jahres 2007 gekürt worden war und dessen Afghanistan-Film „Restrepo“ 2010 für Aufsehen gesorgt hatte. Gaddafis Sprachrohre berichteten regelmäßig von Tausenden von Opfern unter der Zivilbevölkerung, verursacht durch Operationen der Koalition. Gaddafi versuchte zudem, mit der Aussicht auf Darlehen, Ausbildung, Gesundheitsversorgung, Jobs und Reformen die Bevölkerung auf seine Seite zu bringen. Das war ihm ein Stück weit schon vor dem Konflikt gelungen – es gab bereits Profiteure dieser Po­litik, und es wäre naiv anzunehmen, daß sich ganz Libyen hinter die Aufständischen gestellt hätte.</p>
<p>Gaddafi nutzte zudem die offensichtliche Uneinigkeit der Koalition aus, indem er mal hier, mal dort Friedensangebote machte oder versprach, mit Hilfsorganisationen zu kooperieren. Die Diskussionen über seine Zukunft machten seine Gestalt nur noch schwerer faßbar. Angesichts schwindender militärischer Kräfte griff er außerdem zur Strategie der Täuschung: An der Front trugen seine Soldaten beispielsweise Gasmasken, was Angst vor dem Einsatz von C-Waffen weckte. Zudem profitierte er von Gerüchten, daß ihm er­gebene Truppen die Reihen der Aufständischen infiltrieren würden. Selbst die Greuelpropaganda der Gegner und die Gerüchte, daß seine vorwiegend aus Afrika stammenden Söldner systematisch Greuel begehen würden, brachten ihm Vorteile, denn auf diese Weise wurde Angst bei Rebellen und mit diesen sympathisierenden Zivilisten gesät. Auch von Yellowcake, also waffenfähigem Uran, war die Rede, oder von eingebunkertem Senfgas. Doch bei objektiv immer schwächerem militärischen Stand nützen irgendwann auch die abenteuerlichsten Winkelzüge nichts mehr. Das war schon früher so, heute aber muß, wer als nahezu Isolierter seine Konstrukte durchsetzen will, einen nahezu aussichtslosen Kampf führen: gegen die Omnipräsenz der Weltöffentlichkeit, der herkömmlichen (journalistisch-basierten) und der neuen (Jedermanns-)Medien, gegen die alltäglichen Proteste in Graffiti-Form (bemalte und besprühte Wände), Handzettel und spontane Aktionen und gegen die ungemein flinken und flexiblen Internet-Blogs und -Foren. Die gegenwärtigen Entwicklungen in Syrien, wo die angebliche staatliche Gewalt Anlaß zu weltweitem Protest gibt, geben ebenfalls ein beredtes Beispiel von diesem Kampf gegen Windmühlen.</p>
<p>Gaddafi ließ dennoch keinen Trick unversucht, um in der Kommunikation die Oberhand zu gewinnen. So spielte er im libyschen Staatssender demonstrativ gelassen Schach, trat als Verteidiger des Islam gegen die „Kreuzfahrer“ auf, suchte den Schulterschluß zu anderen isolierten Machthabern wie dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, entwischte dem Gegner immer von neuem – und verfiel dabei nach und nach vielleicht tatsächlich in Realitätsverlust, denn der Kampf war längst verloren. Seine Kommunikation drehte sich nur noch um sich selbst, sie wurde aggressiver, und es wechselten sich schließlich nur noch Tiraden auf den Gegner und Schalmeienklänge für jene ab, die ihm noch die Treue hielten.</p>
<p><strong>Greuelpropaganda?</strong><br />
Zum „Nebel des Krieges“ gehörten auch hier Gerüchte und Täuschungsmanöver. Gaddafis Truppen wurden der Viagra-Exzesse und der Massenvergewaltigung beschuldigt – ein unbewiesener Vorwurf, den Rebellen, aber auch libysche Flüchtlinge erhoben –, ebenso des Mißbrauchs von Zivilisten als menschliche Schutzschilde und des Auftretens als Zivilpersonen. Greuelgeschichten, die – sollten sie wahr sein – von barbarischer Brutalität zeugen. Greuelgeschichten, die aber auch an die Propagandalügen der Entente im Ersten Weltkrieg erinnern, als es hieß, deutsche Truppen hätten belgischen Kindern die Hände abgehackt. Und prompt wurden im Zusammenhang mit den erwähnten Vergewaltigungen Zweifel laut, nicht zuletzt von Mahmud Cherif Bassiouni, der in der Untersuchungsgruppe des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen den Vorsitz innehat. Wo letztlich die Wahrheit steht, ist schwer zu eruieren – die moralische Abwertung des Gegners aber ist so alt wie der Krieg selbst. Im Jargon des Kriegsmarketings trägt sie die zweifelhafte Bezeichnung „Grausamkeits-Management“.</p>
<p>THOMAS A. MÜLLER<br />
Thomas A. Müller, Dr. phil., war über Jahre Kompaniechef und ist heute Chef Medien und stellvertretender Chef Kommunikation einer Brigade im Rang eines Majors. Er absolvierte einen multinationalen Lehrgang für Public Information Officers (PIO) und ist Autor des im März 2011 erschienenen Buchs Von Troja bis PSYOPS. Facetten der psychologischen Kriegsführung. Mit einem Geleitwort von Brig.-Gen. a. D. Dieter Farwick.</p>
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		<title>Der Atlantikwall</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 14:44:00 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Monumentales Bauwerk des Zweiten  Weltkrieges
Nach dem Sieg im Westen über Frankreich 1940 und dem Präventivschlag der Wehrmacht gegen die zum Angriff aufmarschierte Rote Armee 1941 befand sich die Masse der deutschen Streitkräfte in den Weiten Rußlands. Um der Gefahr einer alliierten Invasion im Westen zu begegnen, wurde auf Befehl Hitlers durch die Organisation Todt mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-510" href="http://www.d-mz.de/archives/507/85dmz2"><img class="alignleft size-medium wp-image-510" title="85dmz2" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2011/12/85dmz2-300x148.jpg" alt="85dmz2" width="300" height="148" /></a>Monumentales Bauwerk des Zweiten  Weltkrieges</strong></p>
<p>Nach dem Sieg im Westen über Frankreich 1940 und dem Präventivschlag der Wehrmacht gegen die zum Angriff aufmarschierte Rote Armee 1941 befand sich die Masse der deutschen Streitkräfte in den Weiten Rußlands. Um der Gefahr einer alliierten Invasion im Westen zu begegnen, wurde auf Befehl Hitlers durch die Organisation Todt mit dem Bau eines gewaltigen Bollwerks am Meer begonnen, von der spanischen Grenze im Süden bis zu den Küsten Norwegens im Norden. Zum Schutz des Reiches entstanden im Laufe der Jahre tief­gestaffelte Verteidigungsstellungen, gewaltige Bunkerwerke zur Deckung weittragender und schwerer Geschütze, Funkmeßanlagen zum Erfassen und zu frühzeitiger Bekämpfung feindlicher Bomberströme auf dem Flug nach Deutschland, U-Bootbunker als Stützpunkte für die „Schlacht im Atlantik“, um Großbritannien von seinen Versorgungslinien abzuschneiden und vieles mehr.<span id="more-507"></span></p>
<p>Das Kernstück dieses sogenannten Atlantikwalls waren die vier großen Marine-Küstenbatterien im Pas de Calais unmittelbar gegenüber der englischen Küste bei Dover gelegen. Sie wurden zur artilleristischen Unterstützung für die geplante und später abgesagte Landung in England errichtet. Von hier aus wurde dann die Küste von Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen nach Norden sowie die französische Küste nach Süden be­festigt. Die Kanalinseln Jersey, Guernsey und Alderney sowie die Insel Helgoland statteten die Planer mit schwersten Batterien aus. In den Häfen von Brest, St. Nazaire und Lorient wurden U-Bootbunker gebaut. Auf dem Festland verstärkten die Konstrukteure die Feuerkraft der Stellungen oftmals durch den Einsatz von Eisenbahn­geschützen. Die Bunker des französischen Atlantikwalls überstanden wiederholt Angriffe aus der Luft. Selbst schwere Bomben konnten nur in wenigen Fällen Geschütze zum Schweigen bringen.</p>
<p><strong>Strategisch wichtige Punkte</strong><br />
Nach Norden hin nahm die Dichte und Größe der Be­festigungen ab. An strategisch wichtigen Punkten wie dem Skagerrak aber sperrten auf dänischer Seite die „Marineküstenbatterie Hanstedt II“ und die ihr gegenüber auf südnorwegischer Seite bei Kristiansand liegende „Ma­rineküstenbatterie Vera“ die Meerenge. Beide Anlagen ­waren mit vier 38 cm-Schiffsgeschützen in offenen Bettungen ausgestattet. Außerdem verfügten sie über Munitionsbunker mit Eisenbahnanschluß, Flak- und Scheinwerferbatterien sowie Funkmeßgeräte.</p>
<p>Nach Süden hin waren die U-Bootstützpunkte der französischen Atlantikküste besonders stark geschützt, das galt ebenso für die Mündungen der Flüsse Loire und Gironde. Südlich davon eignete sich die Küste bis zur spanischen Grenze nicht für Anlandungen von See und war daher nur gering gesichert.</p>
<p>Der in Australien lebende gebürtige Österreicher Hans-Martin Stahlberg – selbst Architekt – forscht seit Jahrzehnten am wohl größten europäischen Bauwerk. In gleich zwei Bildbänden (Atlantikwall Band I und Band II, erscheint im Verlag Pour le Mérite) präsentiert er nun die beeindruckenden Ergebnisse seiner Recherchen. Darin enthalten: Bislang noch nie veröffentlichtes Farbbildmaterial, welches während der Bauphase und später bei Inspektionen des Bollwerkes von professionellen PK-Fotografen für die deutsche Militärführung angefertigt wurde. Stahlberg, für den der Atlantikwall nicht weniger beeindruckend ist als die chinesische Mauer, hat sein ganzes Herzblut in dieses Werk gesteckt – das merkt man ihm auch an.</p>
<p>Der Atlantikwall war eine lineare Küstenbefestigung von verschiedener Ausbaustärke. An den vermuteten Landestellen und Kampfschwerpunkten (längs des Kanals, vor allem am Kap Gris Nez, an der Seinemündung, im Norden der Halbinsel Cotentin, auf den besetzten britischen Kanalinseln, in Brest und Lorient) war der Ausbau im November 1943, als Generalfeldmarschall Erwin Rommel, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B und Inspekteur der Verteidigungsanlagen, nach Frankreich kam, gut vorangeschritten.</p>
<p>Hitler hatte 1941 den Strand als Hauptkampflinie bestimmt. Der Gegner sollte bekämpft werden, wenn er am wehrlosesten war: beim Anlandgehen. Die Bedeutung der Küstenverteidigung im Westen war spätestens mit der Abwehr eines angelsächsischen Landeunternehmens am 19. August 1942 bei Dieppe akut geworden. Den deutschen Verteidigern war es rasch gelungen, die – zahlen­mäßig schwachen – Angreifer an Land niederzukämpfen. Für die erwartete, großangelegte Invasion der Westalliierten sollte eine andere Taktik angewandt werden: Die Landungsverbände mußten noch auf See bekämpft werden.</p>
<p>Daher sollten die Kanalküste und die britische Inselgruppe vor St. Malo nach einem auf acht Jahre sich erstreckenden Plan zu gewaltigen Festungen umgestaltet werden. So entstanden die „offensive Batteriegruppe“ am Kap Griz Nez mit den Batterien „Lindemann“ (drei 40,6 cm-Kanonen), „Großer Kurfürst“ (vier 28 cm-Kanonen), „Todt“ (vier 38 cm-Kanonen) und „Friedrich-August“ (drei 30,3 cm-Kanonen) als Rückhalt für die Kanalfront.</p>
<p>Auf der kleinen britischen Inselgruppe waren bis Frühjahr 1944 elf schwere Batterien mit 38 Geschützen einsatzbereit, während zu der Zeit auf der Gesamtfront von Dieppe bis St. Nazaire, also auf über 1.000 Kilometern Länge, nur ebenso viele Batterien mit 37 Geschützen standen.</p>
<p><strong>Typische Festung</strong><br />
Eine typische Festung an der französischen Kanalküste war z.B. die schwere Marine-Batterie Marcouf an der Ostküste der Halbinsel Cotentin. In verbunkerten Unterständen standen vier 21 cm-Langrohrgeschütze, sechs 7,5 cm-Flakkanonen und ein 15 cm-Geschütz. Mit 400 Marineartilleristen stellte sie eine nicht zu unterschätzende Abwehrkraft gegen Angriffe von See dar. Bei der Invasion am 6. Juni 1944 zeigte sich jedoch die Schwäche dieser Anlage. Gegen die vom Hinterland angreifenden US-Fallschirmjäger konnten die schweren, nur nach See ausgerichteten Waffen nicht eingesetzt werden.</p>
<p>1944 waren an den offenen Küsten nur Befestigungen in Stützpunktform mit Funkmeßstationen, Befehlsstellen und Batterieständen vorhanden. Die Unterstände waren feldmäßig ausgebaut und infolge Materialmangels selten betoniert.</p>
<p>Rommel forcierte den beschleunigten Ausbau und regte Verbesserungen an. Zur Erschwerung einer feindlichen Anlandung wurden Vorstrandhindernisse angelegt, eine Art künstlicher Korallenriffe.</p>
<p>Gegen Luftlandungen im rückwärtigen Gebiet ließ Rommel Baumstämme in den Boden rammen – die im Landserjargon „Rommelspargel“ genannt wurden –, die mit Drähten verbunden und minenbestückt für Fallschirmjäger zur Todesfalle wurden.</p>
<p>Der Ausbau litt unter dem Mangel an hochwertigem Beton, außerdem waren einheimische Arbeiter und Zulieferer – unter guter Bezahlung – an den Arbeiten beteiligt, womit Spionage- und Sabotageaktivitäten Tür und Tor geöffnet waren.</p>
<p>Insgesamt wurden am Atlantikwall 10.206 Bunker nach dem Regelbausystem errichtet. Dabei handelte es sich um standardisierte Anlagen, die architektonisch vorgefertigt waren und deren Bau verzugslos in die Wege geleitet werden konnte. Sie schlossen die Lücken in der Front zwischen den großen Festungsanlagen, deren Bau jeweils den vorgefundenen Geländegegebenheiten angepaßt werden mußte.</p>
<p><strong>Sensationelle Farbfotos</strong><br />
Der Autor zeigt in den Bildbänden sensationelle, niemals vorher veröffentlichte Farbfotos von den Anlagen, die dem Betrachter bis in die kleinsten Einzelheiten jede Besonderheit der Bauten präsentieren. Das Augenmerk gilt aber auch den Soldaten, ihren Unterkünften, ihrem Leben in und mit den Bollwerken, in denen sie sich mit Hilfe zahlreicher, in liebevoller handwerklicher Klein­arbeit entstandener Verschönerungen häuslich ein­gerichtet hatten. Man sieht Persönlichkeiten der Zeit­geschichte bei der Inspektion, etwa Rüstungsminister Albert Speer, oder im Hinterland stationierte Truppenkommandeure wie z.B. SS-Obergruppenführer Sepp Dietrich. Der ausführliche Einleitungstext stellt die Entwicklungs- und Baugeschichte dar, erläutert die unterschiedlichen Regelbauten und ihre Verbreitung und geht auf den Kampf der Wehranlagen gegen die am 6. Juni 1944 gelandeten Westalliierten ein. Dieses Werk kann mit Fug und Recht als neues Standardwerk zu Atlantikwall und Bunkerbau bezeichnet werden.</p>
<p>Olaf Haselhorst</p>
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		<title>Nationalfeiertag</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 14:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[International]]></category>

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		<description><![CDATA[Leistungsschau auf dem Heldenplatz
Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ) und mehrere Mitglieder der österreichischen Bundesregierung eröffneten am 26. Oktober die Festlichkeiten am Nationalfeiertag des Landes traditionell mit einer Kranznieder­legung in der Krypta der Wiener Hofburg. Österreich gedenkt am Nationalfeiertag der 1955 beschlos­senen Neutralität des Landes. Dabei findet auf dem Heldenplatz in Wien jährlich auch eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leistungsschau auf dem Heldenplatz</strong></p>
<p>Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ) und mehrere Mitglieder der österreichischen Bundesregierung eröffneten am 26. Oktober die Festlichkeiten am Nationalfeiertag des Landes traditionell mit einer Kranznieder­legung in der Krypta der Wiener Hofburg. Österreich gedenkt am Nationalfeiertag der 1955 beschlos­senen Neutralität des Landes. Dabei findet auf dem Heldenplatz in Wien jährlich auch eine Leistungsschau des Bundesheeres statt.<span id="more-503"></span></p>
<p>Unter dem diesjährigen Motto „Krisenmanagement durch Schutz und Hilfe“ stellte das Bundesheer seine Aus­rüstung vor und demonstrierte in mehreren Vorstellungen Handlungsfähigkeit und Aufgabenumsetzung. Die rund 650.000 Besucher konnten neben Fahrzeugen wie beispielsweise der „Sandviper“ und diversen Panzern, verschiedenen Hubschraubern oder einer Eurofighter-Attrappe auch Waffen und Kleingerät begutachten. In Vorführungen demonstrierten die Kampftaucher in einem Wasserbecken ihr Können. Zudem informierte die Armee über ihre Einsätze im In- und Ausland, über Karrieremöglichkeiten bei den Streitkräften und über die Miliz.</p>
<p>Erstmals nahmen in diesem Jahr auch verbündete Armeen aus der EU-Battle-Group an der Leistungsschau teil. So stellten neben Österreich beispielsweise auch die Bundesrepublik Deutschland, Irland, Tschechien, Kroatien und Litauen das Gerät ihrer Streitkräfte vor. Beson­derer Höhepunkt der Leistungsschau war das Vorexerzieren der österreichischen Garde. Die hohen Besucherzahlen verdeutlichten die „tiefe Verankerung des Bundesheeres in der Bevölkerung“, so Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ).</p>
<p><strong>Debatte um Wehrpflicht</strong><br />
Darabos ist in seiner Festrede auf dem Heldenplatz auch auf die seit Monaten schwelende Debatte um die Wehrpflicht eingegangen. Er hat sich erneut für die Abschaffung der Wehrpflicht und die Umgestaltung der Armee zu einem Berufsheer ausgesprochen. Die Bedrohungslage sei komplexer geworden, beispielhaft nannte er die Evakuierung von Österreichern aus den Krisenregionen in Ägypten und Libyen. „Für diese speziellen Herausforderungen benötigen wir rasch und flexibel einsetzbare Soldaten“, so der Minister. Bundespräsident Fischer erklärte statt dessen unter tosendem Applaus, wenn Österreich auf sein Bundesheer stolz sei, dann auf ein Heer, in dem die „verfassungsmäßig verankerte Wehrpflicht eine zentrale Rolle spielt“. Im Rahmen der Festlichkeiten zum Nationalfeiertag legten auf dem Heldenplatz auch 1.400 neue Rekruten des Bundesheeres ihr Gelöbnis ab.</p>
<p><strong>Zweifelhaftes Gedenken</strong><br />
Unter dem Motto „Nie wieder Gleichschritt“ hatte unterdessen das „Personenkomitee Gerechtigkeit“ zum Gedenken der Opfer der „NS-Militärjustiz“ eingeladen. Auf dem Schießplatz Kagran wollte man der zwischen 1938 und 1945 überwiegend wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilten Wehrmachtsol­daten gedenken. Sie seien „stille Helden, denen am Nationalfeiertag besonderes Andenken und Dank gebührt“, so Wiens Kulturstadtrat und Parteifreund von Darabos, Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ).</p>
<p>Ulli Vader</p>
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		<title>Zitadelle der Heiligen</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 14:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[St. Helena: Der Verbannungsort Napoleons heute
Die südatlantische Insel St. Helena, berühmter letzter Verbannungsort Napoleons, wird von den In­sulanern ganz offiziell „Saints“ genannt – die „Heilige“. Und die Insel war nicht nur als Verbannungsort beliebt, sondern auch wegen ihrer strategischen Bedeutung.
Es war der exilierte Napoleon, der die Hochrüstung herbeiführte. Denn bis zu seiner Anlandung im Jahre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>St. Helena: Der Verbannungsort Napoleons heute</strong></p>
<p>Die südatlantische Insel St. Helena, berühmter letzter Verbannungsort Napoleons, wird von den In­sulanern ganz offiziell „Saints“ genannt – die „Heilige“. Und die Insel war nicht nur als Verbannungsort beliebt, sondern auch wegen ihrer strategischen Bedeutung.<br />
Es war der exilierte Napoleon, der die Hochrüstung herbeiführte. Denn bis zu seiner Anlandung im Jahre 1815 hatte die 1502 von Portugiesen entdeckte und seit 1659 in britischem Besitz befindliche Insel viele Jahre in unschuldigem Dornröschenschlaf dahingedämmert.<span id="more-499"></span> Das sollte sich nun ändern. Nach Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo wurde der Korse an eine Stätte verbracht, die ein Entkommen unmöglich machte – das Fiasko von Elba, von wo Napoleon bereits einmal aus der Verbannung zurückkehrte, und ein neuerlicher Flächenbrand über Europa durften sich nicht wiederholen. Die siegreichen Briten wählten mit St. Helena einen der ab­gelegensten Orte der Welt – nach allen Seiten dehnen sich endlose Strecken leeren Ozeans –, um ihren Gefangenen ein für allemal wegzusperren. Das Eiland selbst ist zudem ein extrem raues und zerklüftetes Stück Vulkangestein, für eine Anlandung von Truppen, um Napoleon etwaig zu befreien, denkbar ungeeignet.</p>
<p><strong>Gefährlichster Mann der Welt</strong></p>
<p>Napoleon war in den Gipfeljahren seines militärischen Ruhms der gefährlichste Mann der Welt, und er hatte auch als Exilant auf St. Helena diese Aura nicht völlig eingebüßt. Man hatte ihn und seinen „Hofstaat“ von etwa 30 Personen im Longwood House, dem großzügigen Sommersitz eines britischen Offiziers (heute ein gepflegtes Museum), recht stilvoll untergebracht, und er konnte sich relativ frei bewegen, unterlag aber per­manenter scharfer Bewachung. Wohl weniger um ihn am Ausreißen zu hindern, denn da ergab sich keinerlei Per­spektive, als aus reiner Schikane. Der Sträfling beschwerte sich beim Inselgouverneur Hudson Lowe, einem Mann von bestürzender Engstirnigkeit, wiederholt bitter dar­über, daß auf seinen Ausritten britische Offiziere ständig mit ihm einhergaloppierten und daß sich aus den Gartenanlagen seiner Residenz andauernd Ferngläser auf ihn richteten. Aber er stieß auf taube Ohren. Er war eben der Verlierer und mußte sich kleine Gemeinheiten (wie eine Sperrstunde um 21 Uhr) gefallen lassen, konnte sogar froh sein, daß man ihn nicht kurzerhand aufknüpfte. Enerviert von dem Geschacher verließ er seine Bleibe in seinen letzten zwei Lebensjahren überhaupt nicht mehr und starb am 5. Mai 1821 als Schwerkranker an einem riesigen Magengeschwür, wie eine Obduktion erweisen sollte.</p>
<p>Trotz der Hilflosigkeit ihres Gefangenen bewegte die Engländer die unablässige Sorge, eine französische Flotte könnte heransegeln, um den einstigen Kaiser und Oberbefehlshaber gewaltsam zu befreien. Die britische Gar­nison, obwohl auf stolze 2.800 Mann aufgestockt, hätte gegen eine große Streitmacht geringe Chancen gehabt, und ob die Fran­zosen gleichermaßen großzügig mit den Verlierern verfahren wären wie diese mit Napoleon, stand in den Sternen.</p>
<p>Im Zeichen dieser Paranoia wurde die Insel massiv hochgerüstet, indem man an jedem Punkt der Windrose Kanonen schwersten Kalibers installierte, insgesamt etwa 500, um ein etwaiges Invasionsgeschwader in den Grund zu bohren. Die Topographie der Insel war dabei nur in­sofern hilfreich, als sie fast allerorten hochgelegene Klippen aufweist, von wo man bequem in die Tiefe – und entsprechend weit – schießen konnte. Die Geschütze jedoch in diese Positionen hinaufzuwuchten, war weniger bequem, sondern mit ungemeinen Härten verbunden. Aber die Artillerie kam nicht zum Einsatz, denn eine Befreiungsflotte stach nie in See; die Franzosen waren heilfroh, die napoleonischen Kriege hinter sich gebracht zu haben, und lechzten nach keinen neuen Abenteuern. Die Kanonen liegen heute großenteils noch da, wo man sie einstmals hinbefördert hatte – ein Abtransport wäre zu mühsam gewesen und ist es immer noch. Der heutige Betrachter greift sich angesichts der überall herumliegenden „Wummen“ an den Kopf: Wie konnte es nur gelingen, die tonnenschweren Kaventsmänner auch an Stellen zu plazieren, die selbst ein geübter Kletterer nur unter großen Schwierigkeiten erreicht?</p>
<p><strong>Praxisnaher Geschichtsunterricht</strong><br />
Solchen Gedankengängen kann man nachhängen, wenn man das Glück hat, für einige Zeit auf St. Helena zu verweilen. In Verbindung mit Wanderungen inmitten herrlicher Natur lassen sich immer wieder solche Stätten aufsuchen und die außer Dienst gestellte Artillerie in bewundernden Augenschein nehmen. Ein lebendigerer, praxisnäherer Geschichtsunterricht läßt sich kaum vorstellen.</p>
<p>Wie kommt man hin auf „diese Insel, deren wenig versprechender Anblick so oft beschrieben worden ist,“ so Charles Darwin nach einem Besuch im Jahre 1836, die sich jedoch bei näherer Betrachtung als kleines Natur­paradies entpuppt? Einen Flugplatz gibt es nicht, aber das Postschiff „St. Helena“ verkehrt nach festem Fahrplan ab Kapstadt und ist etwa alle zwei Wochen dort.</p>
<p>Roland Hanewald</p>
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		<title>Syrien im Würgegriff</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 14:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[International]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit dem Frühling 2011 steht Syrien im Fokus der weltweiten Medienberichterstattung. Die Regierung gehe mit brutaler Gewalt gegen friedliche Demonstranten vor, so die Berichte im Westen. Geopolitisch befindet sich das Land in einer schwierigen Situation. Die Kriegsdrohungen gegen Damaskus werden immer lauter.
Gott sei mit euch“, predigt Michael Moore von New York aus in Richtung Syrien. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-496" href="http://www.d-mz.de/archives/495/84dmz1"><img class="alignleft size-medium wp-image-496" title="84dmz1" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2011/10/84dmz1-300x148.jpg" alt="84dmz1" width="300" height="148" /></a>Seit dem Frühling 2011 steht Syrien im Fokus der weltweiten Medienberichterstattung. Die Regierung gehe mit brutaler Gewalt gegen friedliche Demonstranten vor, so die Berichte im Westen. Geopolitisch befindet sich das Land in einer schwierigen Situation. Die Kriegsdrohungen gegen Damaskus werden immer lauter.</strong></p>
<p>Gott sei mit euch“, predigt Michael Moore von New York aus in Richtung Syrien. „Ich weiß, daß ihr erfolgreich sein werdet.” Der US-amerikanische Filme­macher drückt der „syrischen Demokratiebewegung“ die Daumen. Michael Moore wurde vor allem bekannt durch seine harsche Kritik an den US-amerikanischen Militäroperationen gegen Afghanistan und Irak. In Washington gilt er als „Linker“, als Regierungskritiker, als Nervensäge mit Kamera. Filme wie „Bowling for Colombine“, in dem er die ­US-Waffenlobby aufs Korn nimmt, machten Michael Moore legendär. „Fahrenheit 9/11“, in dem er die US-Regierung unter George W. Bush heftig kritisiert und ihr vorwirft, quasi mitverantwortlich für die Anschläge des 11. September 2001 zu sein, wurde zum erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten. Moore ist ein Idol der weltweiten Skeptiker­szene. Wenn er der „syrischen Demokratiebewegung“ Gottes Segen wünscht, wenn sich ausgerechnet seine Worte kaum noch von denen der US-Außenministerin Hillary Clinton unterscheiden, dann darf man sich den Tag rot im Kalender ankreuzen. Denn solche Tage sind selten. Die Skeptiker hören auf, Skeptiker zu sein.<span id="more-495"></span></p>
<p>Was ist los in Syrien? Wer sich informieren möchte, landet schnell bei den Berichten des arabischen Nachrichtenkanals Al-Dschasira und westlicher Sender, die vom „Volksaufstand“ in Syrien „gegen das Assad-Regime“ berichten. Zu sehen sind verwackelte Videos, aufgenommen mit Mobiltelefonen, verkratzte Telefonstimmen von „Augenzeugen“ berichten über die „Brutalität“ von Armee- und Polizeikräften gegen „friedliche Demonstranten“. In der Türkei, unmittelbar an der syrischen Grenze, befänden sich „überfüllte Flüchtlingslager“, aus Ankara wettert der türkische Ministerpräsident gegen Damaskus, er hat sogar Panzer an die syrische Grenze verlegt – eine unverhohlene Kriegsdrohung. Auch die „Arabische Liga“, eine Bündnisorganisation der arabischen Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens, nimmt Damaskus in die Mangel. Syriens Mitgliedschaft in der „Arabischen Liga“ wurde „ausgesetzt“. In Washington halten rechte und linke Falken einen militärischen NATO-Einsatz gegen Sy­rien angesichts des libyschen Umsturzes für immer ver­lockender.</p>
<p><em><strong>Iran und Libanon</strong></em><br />
Nur noch zwei Staaten in der Region stehen an der Seite Syriens: der Iran und der Libanon. Die westlichen Kommentatoren wundert das kaum. Der Iran sei selbst ein „Schurkenstaat“ und Syrien einer der wenigen treuen Verbündeten Teherans überhaupt. Und der Libanon befinde sich in einer Art „Geiselhaft“ der schiitischen und wiederum Iran-nahen Hisbollah, der „Partei Gottes“, deren Name in den europäischen Medien kaum noch ohne dem Zusatz „terroristisch“ genannt wird.</p>
<p>Während Europa von Horrornachrichten aus Syrien überschwemmt wird und Politiker aller Parteien fordern, man müsse den „Druck auf Damaskus“ erhöhen, berichten sy­rische Zeitungen von drei Soldaten, die an einer Ölpipeline nahe der Stadt Homs eine 25 Kilo-Bombe fanden und entschärften. Der Sprengsatz war mit einer Fernsteuerung versehen und gut getarnt an der Röhre angebracht. Wenige Wochen zuvor sprengte bereits eine Bombe ein 15 Meter langes Loch in eine syrische Ölpipeline nahe der Stadt Talkalakh. „Terroristengruppen“, so die syrischen Nachrichten, versuchten, die syrische Wirtschaft zu schwächen, um die Krise weiter zu verschärfen. Von beiden Vorfällen konnte man in der Bundesrepublik Deutschland nichts lesen. Und auch nichts von den Waffenlieferungen, die über die tür­kische und libanesische Grenze an „Aufständische“ in Sy­rien gehen. Immer wieder gelingt es den syrischen Sicherheitskräften, Waffenschmuggler zu stellen, bevor diese ihre Fracht an die „Regimegegner“ ausliefern können. Wofür brauchen „friedliche Demokratieaktivisten“ Schnellfeuer­gewehre, Nachtsichtgeräte, Sprengstoff, Granaten und reaktive Panzerbüchsen, bevorzugt aus der RPG-Reihe? Handelt es sich in Wirklichkeit um den Kampf ausländisch finanzierter und ausgerüsteter Milizen gegen die Staatsmacht? Das ist zumindest die Position des syrischen Staatsrundfunkes. Fast täglich zeigt man dort Begräbnisse von im Kampf getöteten Polizisten und Soldaten – Bilder, die man im We­sten ebenfalls nicht zu Gesicht bekommt.</p>
<p>Die mangelhafte Berichterstattung ist brandgefährlich, da die Regierungen Europas diese zur Grundlage für ihre Entscheidungen machen. Dabei passieren immer wieder Pannen. Im Sommer strahlte der französische Kanal FRANCE 24 ein angebliches Telefoninterview mit der syrischen Botschafterin in Paris, Lamia Chakkour, aus. Sie trete von ihrem Amt zurück, da sie keine Regierung repräsentieren könne, die mit „brutaler Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten“ vorgehe. Die Nachricht hatte nur einen Schönheitsfehler: Die Frau am Telefon war offensichtlich gar nicht Lamia Chakkour. Die syrische Botschaft dementierte den angeb­lichen Rücktritt der Botschafterin noch am gleichen Tag – doch da war die Nachricht bereits weltweit auf Sendung. Natürlich trete Chakkour nicht zurück, von „brutaler Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten“ in Syrien wisse sie nichts.</p>
<p><em><strong>„Sofortige Freilassung“ eines Phantoms</strong></em><br />
Und auch in der Bundesrepublik Deutschland nehmen die Berichterstattung und die politischen Reaktionen mittlerweile geradezu groteske Züge an. Bis heute kann man eine Erklärung des Menschenrechtsbeauftragten des Deutschen Bundestages, Markus Löning (FDP) auf der of­fiziellen Netzseite des Auswärtigen Amtes finden, in der er sich für die „sofortige Freilassung“ der „syrischen Bloggerin Amina Abdallah“ einsetzt. Wörtlich heißt es: „Die noch vor wenigen Tagen von Präsident Assad persönlich erklärte General­amnestie, die ausdrücklich auch für politische Gefangene gelten soll, wird durch die offensichtliche Verschleppung von Amina Abdalla als Scheinmaßnahme entlarvt. Auf ernstgemeinte und durchgreifende Reformen wartet die syrische Bevöl­kerung bisher vergebens. Ich fordere die sy­rische Führung auf, die Repression gegen die Zivilbevölkerung unverzüglich einzustellen und Amina Abdalla sofort freizulassen.“</p>
<p>Nur: Eine „Amina Abdallah“ existierte überhaupt nie. Die junge lesbische Frau aus Damaskus war in Wahrheit ein ­US-Amerikaner mittleren Alters, der in Schottland lebt. Die ganze Geschichte von der „mutigen Internetaktivistin“, die „verschleppt“ worden sei, war frei erfunden. Sämtliche großen Medien berichteten über die Irreführung. Löning, der dieser Ente aufgesessen ist, hielt es offensichtlich bis heute nicht für notwendig, sich zu korrigieren oder sich gar zu entschuldigen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte lediglich, daß man von einer Nichtregierungsorganisation auf den Fall Abdallah aufmerksam gemacht worden sei und sofort reagiert habe, da solche Vorfälle ja „nicht un­typisch“ für ein Land wie Syrien seien.</p>
<p>Und auch aus den „Flüchtlingslagern“ wird allerhand Merkwürdiges berichtet. Offiziellen Angaben zufolge nahm die Türkei 10.000 syrische Flüchtlinge im grenznahen Gebiet bei sich auf – und wurde von Brüssel dafür gelobt. Die „humanitäre Geste“ sei vorbildhaft, sagten auch deutsche Politiker in Richtung Ankara. Doch mittlerweile sind viele syrische Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückgekehrt und stellen plötzlich ein ganz anderes Bild der Situation dar. Sie behaupten, sie hätten eigentlich gar nicht vorgehabt, ihre Dörfer in Richtung Türkei zu verlassen – bis „bewaffnete Männer“ gekommen seien und sie „zu ihrem Schutz“ dazu aufgefordert hätten. Die Frauen berichten von Vergewal­tigungen durch Regimegegner und auch durch türkische Sol­daten in den Lagern. Man habe versucht, die Flüchtlinge an der Rückkehr nach Syrien zu hindern – die Vergewal­tigungen seien mit Kameras aufgenommen worden, um die Frauen zu erpressen: „Wenn Du gehst, erfahren alle in Deinem Dorf, daß Du eine Prostituierte bist“, habe man gedroht. Im westlichen Fernsehen wird das nicht gezeigt. Und auch Markus Löning hat bislang nicht protestiert.</p>
<p><em><strong>Fake-Eldorado im Libanon</strong></em><br />
In einem Flüchtlingslager im Nordosten des Libanon geht es wiederum etwas entspannter zu. Zwei Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die eine Reportage über syrische Flüchtlinge schreiben wollten, trauten ihren Augen nicht. Denn dort kann man die guten Stories einfach „kaufen“. Syrer bieten dort Geschichten an und frisieren diese je nach Bedarf des Mediums. Vom angeschossenen Demon­stranten bis zum desertierten Soldaten ist alles im Angebot. Die Journalisten der FAZ gehen nicht darauf ein, sondern berichten stattdessen über das Fake-Eldorado an der libanesisch-syrischen Grenze, wo mehr oder weniger schauspielbegabte Syrer für westliche Kameras gerne die „demokratische Opposition“ mimen. Aber andererseits drängt sich die Frage auf: Wieviele Berichte von angeblichen Augenzeugen, von desertierten Soldaten, von Folteropfern und Häftlingen sind so entstanden?</p>
<p>Die syrische Regierung sieht das Land derzeit in einem Abwehrkampf gegen ein ausländisches Bündnis unter Führung Washingtons, um in Damaskus einen „Regime Change“ herbeizuführen. Seit Jahren werden oppositionelle Gruppen in Syrien von den USA großzügig gesponsert. Das ist kein Geheimnis. So ist den Daten der Enthüllungsplattform Wikileaks zu entnehmen, daß das US-State Department seit 2006 jährlich mindestens sechs Millionen Dollar an syrische Oppositionsgruppen bezahlte. Seit spätestens Juni werden die Daumenschrauben noch mehr angezogen. US-Außenministerin Hillary Clinton sprach bereits von „Krieg“ – und nahm den türkischen NATO-Partner in die Pflicht. Die Gefahr eines Krieges steige, „wenn die syrischen Truppen nicht sofort ihre Angriffe und Provokationen einstellen“, erklärte Clinton Ende Juni.  Und auch in der Bundesrepublik Deutschland mehren sich die Stimmen, die offen einen Krieg gegen Damaskus befürworten. Ausgerechnet die linksliberale Zeit setzte sich an die mediale Spitze der Kriegsbefürworter. Der Westen solle „nicht darauf verzichten, Assad mit einer militärischen Option drohen zu können“, schreibt dort der Journalist Frank Jansen. Bereits seit dem Libyen-Konflikt trommelt man bei der Zeit für mi­li­tärische Abenteuer der Bundeswehr im arabischen Raum. Die „<a href="http://erfolg.org" target="_blank" >Erfolg</a>e“ der Amerikaner und Franzosen im Kampf gegen Gaddafi beflügeln jetzt die Schreibtisch-Strategen der Hamburger Wochenzeitung. Gegen Damaskus wollen auch sie dabeisein – und zwar als Propagandisten in ihren Redak­tionsstuben.</p>
<p>Ein Zusammenbruch Syriens würde gut in die geopolitischen Konzepte Washingtons, Ankaras und auch Riads für den Nahen Osten passen. Dem Iran ginge ein wichtiger Bündnispartner verloren, was vor allem für die USA und Saudi-Arabien von Bedeutung ist. Und die Türkei würde wohl die Gelegenheit nutzen, ihren politischen Einfluß im Rahmen der neo-osmanischen Träume im arabischen Raum massiv auszubauen.</p>
<p>Doch für die Syrer dürfte dies ein wahres Horrorszenario werden. Denn schnell würde sich herausstellen, wer tatsächlich hinter den „demokratischen Kräften“ steckt. Von saudi-arabischen Fernsehsendern aus predigen radikal-islamische Geistliche bereits, daß der „Tag der Rache“ dann komme und kündigen ein wahres Schlachtfest an. Die immerhin sieben Prozent Christen des Landes, die als besonders treue Assad-Unterstützer gelten, dürften dann Geschichte sein. Und auch den Alewiten, denen die al-Assad-Familie angehört, wird es an den Kragen gehen. „Alewiten ins Grab, Christen nach Beirut“, lautet einer der Sprechchöre bei Demonstrationen gegen die Regierung in Syrien. Die Paral­lelen zum Irak sind nicht zu übersehen: Mit der „Befreiung“ durch die Amerikaner im Jahr 2003 begann dort eine massive Christenverfolgung durch radikal-islamische Milizen. Kirchen brannten, Priester wurden ermordet, Bomben explodierten an hohen christlichen Feiertagen. Die Folge war ein bis heute anhaltender Exodus irakischer Christen. Auch Deutschland erklärte sich bereit, irakische Christen auf­zunehmen – ohne die Ursachen ihrer Flucht zu analysieren.</p>
<p><em><strong>Heute Umsturz, morgen Flüchtlinge</strong></em><br />
Es steht zu befürchten: Deutsche Menschenrechtspolitiker wie Markus Löning, die sich heute zu den Propagandisten eines Umsturzes in Damaskus machen lassen, werden sich morgen dafür einsetzen, daß große Kontingente von Flüchtlingen aus Syrien in der Bundesrepublik Deutschland untergebracht werden. Politische Weitsicht ist etwas anderes.</p>
<p>Manuel Ochsenreiter</p>
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		<title>Die „Sandviper“</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 14:01:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[International]]></category>

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		<description><![CDATA[Österreich: Fahrzeug für Spezialeinsatzkräfte
Seit sich das österreichische Bundesheer verstärkt an internationalen Einsätzen beteiligt, wird parallel an der Optimierung der persönlichen Ausrüstung der Sol­daten und des Wehrmaterials gearbeitet. Die aktuellen Einsatzgebiete in Afrika, den ständigen Krisenregionen Südosteuropas und in Afghanistan weisen häufig keine klaren Frontlinien und eindeutig definierte „Feindkräfte“ auf. Dadurch sieht sich die österreichische Heeresführung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-492" href="http://www.d-mz.de/archives/491/84dmz2"><img class="alignleft size-medium wp-image-492" title="84dmz2" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2011/10/84dmz2-300x148.jpg" alt="84dmz2" width="300" height="148" /></a>Österreich: Fahrzeug für Spezialeinsatzkräfte</strong></p>
<p>Seit sich das österreichische Bundesheer verstärkt an internationalen Einsätzen beteiligt, wird parallel an der Optimierung der persönlichen Ausrüstung der Sol­daten und des Wehrmaterials gearbeitet. Die aktuellen Einsatzgebiete in Afrika, den ständigen Krisenregionen Südosteuropas und in Afghanistan weisen häufig keine klaren Frontlinien und eindeutig definierte „Feindkräfte“ auf. Dadurch sieht sich die österreichische Heeresführung einem breiten Aufgabenspektrum gegenüber, welche auch eine engere Zusammenarbeit der einzelnen Truppengattungen erfordert. Das ursprünglich rein auf die Landesverteidigung ausgerichtete österreichische Bundesheer hat eine starke Modernisierung erfahren und ist jetzt in der Lage, alle globalen Aufträge anzunehmen. Besonders die Spezialeinsatzkräfte der österreichischen Jagdkommandos, als Auge und Speerspitze der Heeresführung, erhielten eine verstärkte Zuwendung bei der Budgetierung. <span id="more-491"></span></p>
<p>So wurde ein speziell auf ihre Aufträge in trockenen Steppen- und Wüstenregionen zugeschnittenes Truppenfahrzeug angeschafft. Aufgrund eines Sofortbedarfs ist das Projekt vom Amt für Rüstung und Wehrtechnik in Rekordzeit von der Anforderungsbeschreibung über die Umbauplanung bis zur Einsatzreife und in enger Zusammenarbeit mit den Spezialkräften abgewickelt worden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das auf dem bewährten Puch G 290 GD-Geländewagen der Steyr Daimler Puch AG basierende Fahrzeug hat die Bezeichnung Puch G 290/LP Special Operations Vehicle „Sandviper“.</p>
<p><em><strong>Einsatz in Afrika</strong></em><br />
Die Beteiligung eines Kontingentes des österreichischen Jagdkommandos an der EU-Mission EUFOR Tchad/RCA in Zentralafrika, im Gebiet des Tschad 2007, stellte gleichzeitig die „Feuertaufe“ für dieses kleine, hochbewegliche und schwerbewaffnete Fahrzeug dar. Die „Sandviper“ ist dabei speziell auf die Anforderungen von Spezialeinsatzkräften abgestimmt und im Schwerpunkt zur Verwendung als Patrouillenfahrzeug und schnelles Angriffsfahrzeug für Jagdkommando-Soldaten bestimmt.<br />
Die Ingenieure der Entwicklergruppe legten folgende Parameter fest:</p>
<p>•    Hohe autonome Einsetzbarkeit (hohes Tank- und Trinkwasservolumen)<br />
•    Große Bewegungsfreiheit für die Besatzung im Fahrzeug<br />
•    Anzugsstarke Geländegängigkeit und ausreichende Tiefwatfähigkeit<br />
•    Anpassung der Ausstattung an die afrikanischen Klimabedingungen<br />
•    Leistungsstarke Selbstbergungsausstattung<br />
•    Waffenstationen zur Aufnahme feuerstarker Maschinenwaffen<br />
•    Hohe Durchhalte- und Überlebensfähigkeit für die Besatzung<br />
•    Höchststandard für die Funk- und Navigationselektronik<br />
•    Langfristige Lebensdauer für das Fahrzeug durch hochwertigste Materialien und Verarbeitung<br />
•    Hohes Maß an Unter- und Anbringungsmöglichkeiten für Zusatzausrüstung</p>
<p>Die Leistungsmerkmale dieses „Light Reconnaissance Vehicles“ definieren sich über die zugedachten Einsätze.</p>
<p>Mit einer Länge von 4,6 Metern, einer Breite (mit Staukästen) von 2,09 Metern und einer Höhe (mit Lafettenaufbau) von 2,3 Metern hat die „Sandviper“ eine kleine, unauffällige und eher flache Silhouette. Der 95 PS (70 kW) starke Steyr 5-Zylinder 4-Takt Diesel-Reihenmotor beschleunigt bei 4.000 U/min. das Basis-Fahrzeug (Leergewicht: 2.280 Kilogramm) auf der Straße bis zu 130 Stundenkilometer. Mit einem Tankvolumen (ohne Reservetanks) von 95 Litern ist damit ein Einsatzradius von bis zu 630 Kilometern möglich. Das zulässige Beladungsgewicht beträgt nach einer Verstärkung der Achsenschenkel zwar 3.150 Kilogramm, wird aber im Einsatz dennoch oft überschritten. Die drei Soldaten umfassende Fahrzeugbesatzung besteht aus Fahrer, Beifahrer (Truppführer und Navigator) und Sicherer/Waffenbediener. Mit seinem zugeschalteten Allradantrieb besitzt der Puch eine Steigfähigkeit von beacht­lichen 70 Prozent und eine Tiefwatfähigkeit von 50 Zentimetern.</p>
<p><strong>Schutz vor Steinschlag</strong><br />
Der Fahrer wird durch eine einklappbare Lexan-Frontscheibe vor Steinschlag geschützt. Damit ist die „Sandviper“ gut an die Einsatzbedingungen in den anspruchsvollen Regionen wie Afghanistan und Zentralafrika angepaßt.</p>
<p>Um den Soldaten des Jagdkommandos mehr Be­wegungsfreiheit in den Fahrzeugen zu geben, sind die Seiten- und Hecktüren, sowie die Rückbank weggelassen worden. Gleichzeitig wird dadurch Gewicht eingespart, was der Zuladekapazität zugutekommt. Der gesamte Planenaufbau des Daches ist der Sitzfläche des Waffen­bedieners (Klappsitzsystem des „ULAN“) und der Waffenlafette gewichen. Was oberflächlich betrachtet puristisch anmutet, ist bei näherem hinsehen ein durchdachtes und zweckmäßiges Aufbaukonzept. Anbauteile, die nicht dem neuen Einsatzsystem dienten, wurden entfernt und durch andere Module ausgetauscht. Im Heck ist ein Spannungswandler und Kompressor staub- und regensicher für die Versorgung der Zusatzaggregate angebracht. Die sehr wertvollen Einsatzerfahrungen des Jagdkommandos sind 1 : 1 in dem Fahrzeug aufgegangen. So gibt es zum Beispiel einen Schalter, der die gesamte sichtbare Abstrahlung der Fahrzeugelektrik bei Gefechtsbetrieb in einen Tarnmodus umschaltet. Das Fahrzeug bestrahlt dann das Vorfeld mit seinen zwei Infrarot-Scheinwerfern, während der Fahrer sein Umfeld durch die Nachtsichtbrille LUCIE beobachtet.</p>
<p>Für das Fahren in Wüstenregionen kommen grobspo­rige „Goodrich Mud Terrain“-Reifen zur Verwendung. Diese sind mit dem synthetischen Dichtmittel „Air Seal“ aufgefüllt und ermöglichen auch bei Durchschüssen mit großen Kalibern eine Notlauffähigkeit bis zu 80 Kilo­metern. Für die Selbstbergung des Fahrzeuges stehen der Besatzung hochreißfeste Bergeschlaufen, Luftlande­bleche, spezielle Sandschaufeln und ein Wagenheber für sandigen Untergrund zur Verfügung. Bei der Kommunikation wird wegen der häufig großen Entfernungen viel Wert auf moderne Funkgeräte (TFF 1-0) und Intercom-Anlagen (VIC-3) gelegt.</p>
<p><em><strong>Selbstverteidigung und Angriff</strong></em><br />
Als Bewaffnung für die Selbstverteidigung, aber auch für den Angriff, erhielt die „Sandviper“ zwei MG 74 (MG 3 von Rheinmetall) im Kaliber 7,62 x 51 mm. Das knapp zwölf Kilogramm schwere MG verschießt mit einer gedrosselten Kadenz von 850 Schuß/min. Vollmantel­geschosse bis zu 3.750 Meter weit. Das MG 3 baut auf dem MG 42 der Wehrmacht auf. Dessen verheerende Wirkung und der unverwechselbare „Sound“ lehrte schon die Alliierten während des Zweiten Weltkrieges das Fürchten – Spitznamen wie „Knochensäge“ oder „Hitlersense“ kommen nicht von ungefähr. Das erste MG 74 ist vor dem rechts sitzenden Truppführer auf einer flexiblen und schwenkbaren Aufnahme in Fahrtrichtung montiert. Es ist abnehmbar und ohne Umbau als Gruppenwaffe einsetzbar. Die zweite Waffe ist in die Drehringlafette (aus dem Jagdpanzer „Jaguar“) hinter dem Fahrer arretiert. Sie ist um 360 Grad schwenkbar und wird durch den Sicherer bedient. Durch den seitlich montierten Gurtkasten sind ständig 250 Schuß an der Waffe.</p>
<p>Insgesamt sind über 2.000 Schuß Munition je Fahrzeug auf­gegurtet in Staufächern bevorratet und geben dem Fahrzeug eine große Feuerkraft. Die Visiereinrichtung der MG 74 ist mit einem „Aimpoint“-Reflexvisier und einem Laser-Licht-Modul kampfwertgesteigert worden. Ein zusätzlicher Infrarot-Laser an der Waffe und die Einbindung der LUCIE-Brille machen den Puch „Sandviper“ voll nachtkampffähig.</p>
<p>Auf Anregung der Jagdkommando-Soldaten kann statt eines zweiten MG 74 das überschwere MG M2 im Kaliber 12,7 mm auf der stabileren Lafette des Schützenpanzers A1 „Saurer“ auf die „Sandviper“ montiert werden. Dieses 38 Kilogramm schwere Maschinengewehr soll Ziele jenseits der 1.000 Meter-Grenze bzw. leicht gepanzerte Ziele bekämpfen. Diese Waffe ist auf ihrer Lafette gleichfalls um 360 Grad schwenkbar. Am Fahrzeug werden 500 Schuß in je 100-Schuß-Kästen mitgeführt. Die Fahrzeugversion mit zwei MG 74 wird als „Sandviper I“, die mit einem MG 74 und dem schweren M2 wird als „Sandviper II“ bezeichnet. Es wird auch schon über die Verwendung einer schlagkräf­tigen 40 mm-Granatmaschinenwaffe nach­gedacht.</p>
<p><em><strong>Lufttransportfähig</strong></em><br />
Der Puch „Sandviper“ ist aufgrund seiner Maße leicht in einer C-130 Hercules, einer C-160 Transall oder sogar als Außenlast unter einem S-70A „Black Hawk“ lufttransportfähig. Dies erlaubt eine schnelle Verlegung, um auf sich unerwartet verändernde oder gar zuspitzende Situationen in den Einsatzgebieten zu reagieren.<br />
Die Puch „Sandviper“ erwiesen sich in den fordernden Einsätzen des Jagdkommandos als echtes „Arbeitstier“. Die Richtigkeit des Konzeptes stellte sich mehrfach unter Beweis. Trotzdem werden die Erfahrungen der Soldaten weiterhin zu Anpassungen und Verbesserungen führen.</p>
<p>Franz Hofgruber</p>
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		<title>Operation „Deadlight“</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 13:59:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Die letzte Fahrt der grauen Wölfe
Die grauen deutschen U-Boote waren es, die während beider Weltkriege die Seeherrschaft Großbritanniens angefochten und wie reißende Wölfe das britische Inselreich umlagert haben und die unsere Vettern jenseits des Kanals mehr als vieles andere ganz besonders gefürchtet haben. Und so verwundert es kaum, daß sie jeweils unmittelbar nach Beendigung der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-486" href="http://www.d-mz.de/archives/485/84dmz3"><img class="alignleft size-medium wp-image-486" title="84dmz3" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2011/10/84dmz3-300x148.jpg" alt="84dmz3" width="300" height="148" /></a>Die letzte Fahrt der grauen Wölfe</strong></p>
<p>Die grauen deutschen U-Boote waren es, die während beider Weltkriege die Seeherrschaft Großbritanniens angefochten und wie reißende Wölfe das britische Inselreich umlagert haben und die unsere Vettern jenseits des Kanals mehr als vieles andere ganz besonders gefürchtet haben. Und so verwundert es kaum, daß sie jeweils unmittelbar nach Beendigung der Weltkriege alles daran setzten, „all german subs“ in Bausch und Bogen von den Meeren zu tilgen.</p>
<p>Die im Mai 1945 auf See kapitulierenden deutschen U-Boote mußten unter Hissung einer schwarzen Flagge unverzüglich englische Häfen anlaufen. Eine erste Gruppe von zwölf von Norwegen überführten U-Booten erreichte am 30. Mai 1945 den britischen Flottenstützpunkt Scapa Flow. Bis zum 5. Juni 1945 kamen dort weitere 52 Boote hinzu. Über 130 Boote wurden dann von den über Deutschland obsiegenden Briten auf den Sammelplätzen Loch Ryan (Südwestküste Schottland) und Lisahally nördlich Londonderry (Loch Foyle/Nordirland) zusammengezogen.<span id="more-485"></span></p>
<p>Am 4. Juni 1945 wurden elf Typ XXI-Boote, die bei Kriegsende in den norwegischen Basen verblieben waren, unter englischer Eskorte zum britischen Sammelplatz Lisahally, nördlich von Londonderry (Nordirland) gelegen, überführt. Im Troß der anderen von Wilhelmshaven überführten Bootstypen gelangte auch das Typ XXI-Boot U 3008 Ende Juni 1945 dorthin. Das deutsche Personal muße dort die Boote räumen und wanderte für die kommenden zwei Jahre in britische Konzentrationslager, sogenannte Prisoner-of-War-Camps, obwohl ihnen bei der Abreise noch verheißungsvoll eine rasche Rückkehr nach Deutschland zugesichert worden war.</p>
<p><em><strong>Aufteilung der deutschen U-Boote</strong></em><br />
Auf der vom 17. Juli bis 2. August 1945 in Potsdam abgehaltenen Dreimächtekonferenz (Potsdam Heads of State Conference) wurde unter anderem vereinbart, das Gros der noch vorhandenen deutschen U-Boot-Flotte zu versenken und nur 30 U-Boote davon auszunehmen, die zwischen der UdSSR, Großbritannien und den USA zu gleichen Teilen zu Versuchszwecken aufgeteilt werden sollten. Der neu instituierten Tripartite Naval Commis­sion fiel es zu, die entsprechenden U-Boote auszuwählen und ihrer Bestimmung zuzuführen.</p>
<p>Außer einigen anderen Bootstypen wurden acht von den zwölf in Lisahally befindlichen Typ XXI-Booten als Kriegsbeute für die Siegermächte ausgewählt. Für sich behielt England lediglich ein einziges Typ XXI-Boot für einige Jahre, das man für eingehende Studienzwecke zu nutzen gedachte. Anfänglich hatte man das am besten ausgerüstete U 2511 dazu bestimmt. Doch in U 2511 führte eine unsachgemäße Batterieladung durch die Briten zu einer schweren Wasserstoff-Explosion, so daß es für eine Weiterverwendung nicht mehr in Frage kam. Als nächstes sollte U 2502 als Versuchsboot dienen, doch in diesem Boot verursachte man einen Brand bei einer der beiden Hertha-E-Maschinen. Dann fiel die Wahl auf U 3017, das die Beuteboot-Bezeichnung N 41 erhielt.</p>
<p>Doch auch hier zeigte sich, daß das ungeschulte britische Personal nur unzureichend mit den fortschrittlichen Booten umzugehen vermochte. Als bei der Fa. Vickers in Barrow in Furness mit der Batterieerprobung begonnen wurde, ereignete sich am 29. August 1945 auch hier eine Batterieexplosion. Die Admiralität ließ daraufhin alle weiteren Erprobungen stoppen. Zum einen fehlten Ersatzteile und finanzielle Mittel, zum andern hoffte man auf die Testberichte der Amerikaner, die diese über U 2513 und U 3008 erstellen würden. England beabsichtigte, der US-Navy dafür als Gegenleistung die Erprobungsergebnisse zu überlassen, die es mit dem in den Dienst der Royal Navy genommenen deutschen Walter-U-Boot „Meteorite“ ex U 1407 erzielen würde.</p>
<p>Das sich am 15. Mai 1945 auf See den Briten ergebende U 776 war am 23. Mai 1945 als Siegestrophäe nach London gebracht und an der Westminster Pier vertäut worden. Es diente der englischen Bevölkerung als Besich­tigungsboot ebenso wie U 1023, das am 10. Mai 1945 Portland/Weymouth angelaufen hatte. Beide VIIC-Boote fuhren von Mai bis Mitte August 1945 von Hafen zu Hafen, ehe sie im August 1945 nach Loch Ryan gebracht wurden, wo sie mit den Ende Juni 1945 aus Wilhelms­hafen überführten und mit den anderen aus Scapa Flow dorthin verlegten Booten auf den Fangschuß warteten. Am 26. Juni wurde ein Boot (U 637) und am 1. September 1945 wurden 17 in Lisahally liegende U-Boote nach Loch Ryan umverlegt.</p>
<p>Auf einer Konferenz am 5. November 1945 in Rosyth, die unter dem Vorsitz von Commodore I.W. Farquhar der Royal Navy (Chief-of-Staff of the C-in-C/Stabschef der Oberbefehlshaber) stand, wurde festgelegt, die Mehrzahl der Boote in der Operation „Deadlight“ auf Position XX (Codename) etwa 100 Seemeilen nordwestlich von Irland zu versenken. Am 14. November 1945 erging eine genaue Anweisung über die Durchführung der Versenkungsaktion an die britischen Teilstreitkräfte.</p>
<p><em><strong>Versenkung der Boote</strong></em><br />
Vom 25. November 1945 an, dem „D-Day for Operation Deadlight“, traten die deutschen U-Boote in jeweils kleinen Gruppen ihre letzte Fahrt an, um englischen Überwasserschiffen und U-Booten als Zielscheibe zu dienen oder aber mittels Sprengsätzen auf Tiefe geschickt zu werden. Die Fahrt der Schleppzüge bis zum Versenkungsgebiet dauerte etwa zwei Tage. Jeweils 18 Boote wurden von Marineflugzeugen (Fleet Air Arm) und von Flugzeugen der RAF Coastal Command durch Bomben versenkt. Sieben Boote wurden von britischen U-Booten torpediert. Nur zwei Boote wurden durch Sprengungen von Wasserbomben auf Tiefe geschickt. Vom 27. November bis zum 30. Dezember 1945 wurden 86 Boote unbemannt von Loch Ryan zur Versenkungsstelle geschleppt, dann be­gaben sich die Eskorteeinheiten und Schlepper zum Loch Foyle, um von dort weitere 30 Boote abzuholen.</p>
<p>Ab dem 29. November 1945 verlegten von Lisahally täglich etwa vier bis sechs Boote mit Hilfe deutschen Maschinenpersonals unter eigener Kraft flußabwärts zu dem an der Mündung des Loch Foyle liegenden Ort Moville, lediglich die unmobilen Typ XXI-Boote mußten geschleppt werden. Am 1. Januar 1946 wurden U 2502 und U 2506 zusammen mit drei VIIC-Booten nach Moville gebracht. Am 2. Januar folgte das von zwei Schleppern gezogene U 2511 sowie am 3. Januar zwei VIIC- und ein XXIII-Boot (U 3514). Der ablaufende Gezeitenstrom erschwerte das Schleppen der Boote, und die Schleppzüge gerieten wiederholt auf Grund.</p>
<p>Überhaupt lief die Versenkungsaktion nicht so, wie die Briten sich das vorgestellt hatten. Obwohl man bereits vorher den Verlust einiger Boote auf dem Wege zum Versenkungsgebiet „XX“ (etwa 55’N/10’W) einkalkuliert hatte, verloren die britischen Marineeinheiten unterwegs 56 der geschleppten Boote oder mußten sie vorher durch Beschuß auf Tiefe bringen – das waren mehr als die Hälfte der zu versenkenden Boote.</p>
<p>Am 2. Januar 1946 wurde U 2502 um 10.30 Uhr auf Position 56°06’N/09°00’W zur Versenkung gebracht und am darauffolgenden Tag durch Artilleriefeuer von „ORP Piorun“ versenkt. U 2506 versank am 5. Januar 1946 gegen 18.10 Uhr auf 55°37’N/07°30’W. Am 7. Januar verließ die vorletzte U-Bootgruppe, bestehend aus den zwei VIIC-Booten U 1010 und U 1023 sowie U 2511, Moville. Auch diese drei Boote gingen an einem anderen als dem Bestimmungsort „XX“ unter.</p>
<p>Um 19.40 Uhr dieses Tages wurde U 2511 – das Boot, welches unmittelbar nach der Kapitulation Deutschlands erfolgreich einen unbemerkten Scheinangriff auf einen Flottenverband der Royal Navy durchgeführt und seine hervorragenden Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte – auf 55°33,08’N/07°38,07’W durch Artilleriefeuer der „HMS Solebay“ versenkt, nachdem die Schleppleine gerissen war.</p>
<p><em><strong>Marsch nach Osten</strong></em><br />
U 3515, das die britische Kennung N 30 erhalten hatte, war neben einigen Booten älteren Typs der Sowjetunion zugeteilt worden und befand sich derweil auf dem Marsch nach Osten. Für den Fall, daß eines der Boote bei der Überführung verlorenginge, hatten die Briten neben U 3514 auch das VIIC-Boot U 975 als Reserve für die Sowjets über die Operation „Deadlight“ hinaus bereit­gehalten. Am 7. Februar 1946 kam dann der Befehl, auch U 3514 und U 975 auf Position „XX“ zu versenken.</p>
<p>Zwei Tage später scheiterte der erste Versuch, die zwei Boote hinauszubringen. Das Schleppschiff „Prosperous“ und U 3514 gerieten im Loch Foyle auf Grund. Am 9. Februar 1946 liefen „HMS Loch Skin“ mit U 975 und „Prosperous“ mit U 3514 im Schlepp von Moville zur letzten Versenkungsmission aus, begleitet vom Eskorteschiff „HMS Loch Arkaig“.</p>
<p>Die Wetterbedingungen waren schlecht, und am Morgen des 10. Februar wurde Lieutnant Commander P.U. Sherwood, der die „Loch Arkaig“ befehligte, klar, daß die Gruppe die Position „XX“ nicht vor Sonnenuntergang erreichen würde. Nachmittags gegen 15 Uhr ließ er die Schleppleine von „Loch Skin“ kappen und versenkte U 975 noch bei Tageslicht mit den Bordwaffen der „Loch Arkaig“. Dann schloß er zur „Prosperous“ auf, die U 3514 mit nur drei bis vier Knoten durch die stürmische Nacht zog. Am Morgen des 11. Februar wurde um 9 Uhr die Position „XX“ erreicht, die „Prosperous“ löste die Schleppverbindung zu U 3514 und wurde nach Moville entlassen.</p>
<p>Um 9.36 Uhr eröffnete die Loch Arkaig aus 2.000 Yards Entfernung mit ihren 4-Zoll-Geschützen das Feuer auf U 3514 und erzielte einen Treffer an der Vorderkante von dessen Turm. Nachdem der Eskorter fünf Salven abgegeben hatte, wurde das Geschützfeuer eingestellt, um anschließend Kurzdistanzwaffen (close range weapons) zum Einsatz zu bringen.</p>
<p>Ab 9.58 Uhr setzte die „Loch Arkaig“, sie lag 800 Yards von U 3514 entfernt, ihre „Shark“-Bombenwerfer ein. Das waidwunde U 3514 schwoite stark in der Meeres­dünung und wurde mit dem Ortungssystem Asdic ein­gepeilt. Von sechs abgeschossenen Projektilen trafen zwei und explodierten mittschiffs unterhalb des U-Bootturmes. Ein dritter Treffer prallte vom Turm ab, ohne zu detonieren.</p>
<p><em><strong>Ölfleck auf dem Wasser</strong></em><br />
Commander Sherwood entschloß sich, nunmehr das Typ XXI-U-Boot mit „Squid“-Missiles zu attackieren. Doch dazu war die Distanz zum Zielobjekt gegenwärtig zu kurz. Ehe sein Schiff aber eine geeignete Angriffsentfernung erreicht hatte, tauchte der Bug von U 3514 unter. Wenig später richtete sich das Achterschiff des Bootes senkrecht in den Himmel. U 3514 versank nun sehr rasch. Es war 10.04 Uhr. Eine kurze Zeit noch konnten die britischen Marinesoldaten an ihren Hydrophon- und Asdic-Geräten das Sinken verfolgen, ehe das Wrack den Meeresboden in 600 Fuß (rund 92 Metern) Tiefe erreichte. Nur ein Ölfleck blieb noch eine Weile lang als einziges Überbleibsel auf der Meeresoberfläche auf Position 56°00’N/10°05’W zurück, ehe Wind und Wellen ihn auflösten.</p>
<p>In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche von der „Admirality Survey“ geortete U-Bootwracks von verschiedenen Taucherteams im kristallklaren Wasser vor der nordirischen Küste betaucht. Im Jahre 1999 entdeckte der irische Taucher Al Wright das in 69 Metern Tiefe auf weißem Sandgrund auf der Seite liegende Wrack von U 2511. Von diesem marinehistorisch hochinteressanten Boot gelangen zwei Jahre später Tauchern der „Operation Deadlight Expedition“ bemerkenswerte Filmaufnahmen.</p>
<p>Die nordirische Hafenstadt Londonderry plant seit 2007 (nach dem Vorbild von U 534, das 1993 im Kattegat gehoben und in Birkenhead auf Merseside aufgestellt worden ist), das noch guterhaltene U 778 vom Meeresgrund zu heben und als Touristenattraktion aufzustellen, um an das Massensterben der deutschen U-Boote zu erinnern. Doch bereits mehrmals scheiterte der Versuch britischer Bergungs­unternehmen, U-Bootwracks der Operation „Deadlight“ emporzuholen, daran, daß alle drei ehe­maligen Alliierten – entsprechend ihren einst in Potsdam getroffenen Abmachungen – einem derartigen Vor­haben zustimmen müßten. ­</p>
<p>Eckard Wetzel</p>
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		<title>Klare Entscheidung</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 13:56:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[International]]></category>

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		<description><![CDATA[Schweizer Nationalrat will starke Armee
Der Schweizer Nationalrat (große Kammer) hat sich ebenso wie der Ständerat (kleine Kammer) für eine Armee mit 100.000 Soldaten ausgesprochen – trotz der vehementen Kritik der Linken. Außerdem wies das Parlament – ebenfalls in Übereinstimmung mit dem Ständerat – die Pläne des Bundesrates (Regierung), die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge bis 2020 aufzuschieben, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schweizer Nationalrat will starke Armee</strong></p>
<p>Der Schweizer Nationalrat (große Kammer) hat sich ebenso wie der Ständerat (kleine Kammer) für eine Armee mit 100.000 Soldaten ausgesprochen – trotz der vehementen Kritik der Linken. Außerdem wies das Parlament – ebenfalls in Übereinstimmung mit dem Ständerat – die Pläne des Bundesrates (Regierung), die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge bis 2020 aufzuschieben, zurück.</p>
<p>Die Schweizer Armee ist nach dem Milizsystem aufgebaut. Experten sehen dringenden Reformbedarf, da sowohl Ausrüstung als auch Ausbildung mangelhaft sind. Der Bundesrat legte dazu ein Konzept vor, das eine deutliche Verkleinerung der momentan noch rund 175.000 Mann starken Streitkräfte auf 80.000 Soldaten vorsah. Der Wehretat sollte gleichzeitig von derzeit 4,1 auf 4,4 Milliarden Schweizer Franken erhöht werden, um Spielraum für Modernisierungen zu schaffen. <span id="more-483"></span></p>
<p><em><strong>Heftige Debatte</strong></em><br />
Die Pläne der Regierung waren von Anfang an umstritten, die Verkleinerung der Truppe gehe zu weit, die Erhöhung des Wehretats dagegen nicht weit genug. Bereits am 20. Mai wurden sie deshalb von der Sicherheitspolitischen Kommission des Schweizer Ständerats (SIK) zurückgewiesen (DMZ berichtete). Im Nationalrat wurde nun heftig darüber debattiert. Während sich die nationalkonservative SVP für eine Armee mit 120.000 Soldaten aussprach, bevorzugten die bürgerlichen Parteien CVP (Christdemokraten), BDP (Bürgerliche) und FDP (Liberale) die 100.000-Mann-Variante. Die sei nicht viel teurer aber deutlich effektiver als die vom Bundesrat vorgeschlagene Version, argumentierte auch Verteidigungsminister Ueli Maurer (CVP).</p>
<p>Allerdings gab es auch andere Stimmen. Der sozialdemokratischen SP waren 80.000 Soldaten angesichts der Unterhaltkosten der Streitkräfte noch zu viel. Auch die Grünen wollten eine noch kleinere Armee. Sie sprachen sich für ein Modell mit nur 30.000 Soldaten aus. Die von beiden Parteien ans Rednerpult geschickten Vertreter sahen sich allerdings heftiger Kritik aus­gesetzt, nachdem sie auf Nachfrage der Bürgerlichen zugeben mußten, Mitglieder der GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) zu sein. Ihnen wurde deshalb vorgeworfen, nicht die Modernisierung der Streitkräfte und die Sicherheit des Landes, sondern langfristig die gänzliche Abschaffung der Armee im Sinn zu haben. Mit 113 zu 67 Stimmen fiel das Votum schließlich deutlich für eine Armee mit 100.000 Soldaten und eine Erhöhung des Wehretats auf 5 Milliarden Franken aus.</p>
<p><em><strong>Neue Kampfflugzeuge</strong></em><br />
Die GSoA wurde bereits 1982 gegründet und star­tete seitdem zwei Initia­tiven zur Abschaffung der Armee. Außerdem sorgt sie immer wieder für Volks­abstimmungen – beispielsweise für die Abschaffung der Wehrpflicht oder für Verbote von Rüstungsexporten –, die von der Bevölkerung aber meistens ab­geschmettert werden. Auch gegen den Kauf von 22 neuen Kampfflugzeugen wurde eine Initiative ins Leben gerufen, die man allerdings zurückzog, nachdem bekannt wurde, daß die Regierung den Kauf ohnehin aufschieben wollte.</p>
<p>Nun sollen die Flugzeuge doch kommen, dafür sprachen sich sowohl Ständerat als auch Nationalrat aus. Bis 2015 sollen die stark veralteten F-5E „Tiger II“-Maschinen der Luftwaffe ersetzt werden. Uneinig sind sich die Räte nur über die Finanzierung. Während der Ständerat eine Sonderfinanzierung auf den Weg bringen möchte, sprach sich der Nationalrat dafür aus, die Flugzeuge über den ordentlichen Wehretat zu beschaffen.</p>
<p>In der engeren Auswahl stehen sowohl der „Eurofighter“ von EADS als auch der „Rafal“ des französischen Rüstungskonzerns Dassault. Der schwedische Mitbewerber Saab-Gripen schnitt in einer Vorauswahl erheblich schlechter ab und könnte höchstens noch durch seinen deutlich niedrigeren Preis punkten. Wahrscheinlich wird der Schweizer Bundesrat noch im Herbst entscheiden, welches Flugzeug dem Parlament im Rüstungsprogramm 2012 zur Beschaffung vor­geschlagen wird.</p>
<p>Ulli Vader</p>
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		<item>
		<title>Russische Raketenrüstung</title>
		<link>http://www.d-mz.de/archives/477</link>
		<comments>http://www.d-mz.de/archives/477#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 13:55:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Waffentechnik]]></category>

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		<description><![CDATA[Rußland will seine technischen Möglichkeiten im Bereich der ballistischen Raketen sowie der Raketenabwehr stark erweitern. Wie  Igor Korotschenko, Mitglied des Präsidiums des Gesellschaftlichen Rates beim Verteidigungsministerium, am 14. September erklärte, sei es erforderlich, die strategischen Kernwaffen mit den neuesten Raketen der Typen RS-24 „Jars“ und Bulawa auszustatten, da Moskaus Kernwaffenpotential durch den US-amerikanischen Raketenschild in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-478" href="http://www.d-mz.de/archives/477/rakete"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-478" title="rakete" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2011/10/rakete-150x150.jpg" alt="rakete" width="150" height="150" /></a>Rußland will seine technischen Möglichkeiten im Bereich der ballistischen Raketen sowie der Raketenabwehr stark erweitern. Wie  Igor Korotschenko, Mitglied des Präsidiums des Gesellschaftlichen Rates beim Verteidigungsministerium, am 14. September erklärte, sei es erforderlich, die strategischen Kernwaffen mit den neuesten Raketen der Typen RS-24 „Jars“ und Bulawa auszustatten, da Moskaus Kernwaffenpotential durch den US-amerikanischen Raketenschild in Europa erheblich abgewertet werden könnte und eine Einigung mit Washington nicht in Sicht ist. Die USA verweigern bisher verbindliche Sicherheitsgarantien und bringen die strategische Planung Rußlands daher „in den Bereich des Unklaren“. Die neuen Raketen können den US-Raketenschild überwinden. Außerdem soll noch in diesem Jahr ein Luft- und Weltraumabwehrsystem entwickelt werden. In den letzten Jahren haben vor allem die USA die Entwicklungen im Bereich der offensiven und defensiven militärischen Weltraumtechnik verstärkt vorangetrieben. Wie der stellvertretende Sprecher des russischen Außenministeriums, Wladimir Kosin, am 22. September mitteilte, sei zudem eine effektive „see­gestützte Raketenabwehr“ geplant.</p>
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