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	<title>DMZ - Deutsche Militärzeitschrift</title>
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		<title>95 deutsche Kriegsgräber geschändet</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 10:21:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf einem Soldatenfriedhof im Elsaß haben unbekannte Täter 95 deutsche Kriegsgräber geschändet. Wie eine Sprecherin in der Präfektur in Colmar mitteilte, wurden auf dem Friedhof im südelsässischen Guebville Kreuze zerbrochen und umgekippt. Die Tat sei von einer Frau entdeckt worden, die mit ihrem Hund spazieren ging. Auf einem Grab sei eine „beleidigende Inschrift“ gefunden worden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-203" href="http://www.d-mz.de/archives/167/soldatenfriedhof"><img class="alignleft size-medium wp-image-203" title="Soldatenfriedhof" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/06/Soldatenfriedhof-300x200.jpg" alt="Soldatenfriedhof" width="300" height="200" /></a>Auf einem Soldatenfriedhof im Elsaß haben unbekannte Täter 95 deutsche Kriegsgräber geschändet. Wie eine Sprecherin in der Präfektur in Colmar mitteilte, wurden auf dem Friedhof im südelsässischen Guebville Kreuze zerbrochen und umgekippt. Die Tat sei von einer Frau entdeckt worden, die mit ihrem Hund spazieren ging. Auf einem Grab sei eine „beleidigende Inschrift“ gefunden worden, sagte die Sprecherin weiter. Auf ihm stand laut einem Photographen der Nachrichtenagentur AFP das Wort „Hurenrasse“. Der Präfekt des Departements Oberelsaß, Pierre-Andre Peyvel, will den Friedhof besuchen, er war während des Ersten Weltkrieges ein­gerichtet worden. ­Bestattet sind dort deutsche und französische Soldaten aus beiden Weltkriegen. Nach Auskunft des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ruhen 1.238 gefallene Deutsche auf dem Friedhof. Während des Ersten Weltkrieges gehörten das Elsaß und Ostlothringen noch zum Deutschen Kaiserreich. Somit kämpften auch Elsässer und Lothringer in deutscher Uniform. Nach der Niederlage Deutschlands kam die Grenzregion zu Frankreich.</p>
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		<title>Erste Patriot-Raketen in Polen</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 10:21:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Waffentechnik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum ersten Mal in der Geschichte Polens sind dort US-Raketen vom Typ Patriot angeliefert worden. Sie sollen auf dem polnischen Stützpunkt Morag (Mohrungen) in Ostpreußen unweit der russischen ­Exklave Kaliningrad (Königsberg) stationiert werden. Nach Ankunft der Boden-Luft-Raketen habe die US-Armee begonnen, 37 Eisenbahnwaggons zu entladen, teilte die US-Botschaft in Warschau mit. Demnach sollen 100 bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-200" href="http://www.d-mz.de/archives/169/patriot-raketen"><img class="alignleft size-medium wp-image-200" title="Patriot-Raketen" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/06/Patriot-Raketen-300x225.jpg" alt="Patriot-Raketen" width="300" height="225" /></a>Zum ersten Mal in der Geschichte Polens sind dort US-Raketen vom Typ Patriot angeliefert worden. Sie sollen auf dem polnischen Stützpunkt Morag (Mohrungen) in Ostpreußen unweit der russischen ­Exklave Kaliningrad (Königsberg) stationiert werden. Nach Ankunft der Boden-Luft-Raketen habe die US-Armee begonnen, 37 Eisenbahnwaggons zu entladen, teilte die US-Botschaft in Warschau mit. Demnach sollen 100 bis 150 normalerweise im deutschen Kaiserslautern stationierte US-Soldaten die Raketen warten und polnische Soldaten mit den Waffen vertraut machen. Die Kleinstadt Mohrungen ist nur 60 Kilometer von Königsberg entfernt. Polen hatte wiederholt betont, daß der Ort wegen seiner guten Infrastruktur als Standort für die US-Raketen ausgewählt worden sei – und nicht aus politischen oder strategischen Gründen. Die USA und Polen hatten im Dezember 2009 ein Abkommen über die Stationierung von Patriot-Raketen und US-Soldaten in dem osteuropäischen Land unterzeichnet. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama hatte zuvor den Verzicht auf ein von seinem Amtsvorgänger George W. Bush geplantes Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien erklärt. Dafür kündigte sie ein flexibleres System an, das sich auf die Abwehr iranischer Kurz- und Mittelstreckenraketen konzentrieren soll. Rußland hatte den ursprünglich geplanten Raketenschild wiederholt als Bedrohung für die eigene Sicherheit kritisiert und zwischenzeitlich mit der Stationierung von Iskander-Raketen in Königsberg gedroht.</p>
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		<title>Wächter auf dem Wasser</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 10:20:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Waffentechnik]]></category>

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		<description><![CDATA[Das USV-Schnellboot „Protector“
Mit dem Anschlag auf den US-Zerstörer „Cole“ in der jemenitischen Hafenstadt Aden im Oktober 2000 wurde deutlich, daß auch modernste Kriegsschiffe – selbst wenn sie in einem „sicheren“ Hafen liegen – durch unkonventionelle Angriffsmethoden stark gefährdet sind. Obwohl zum Zeitpunkt des Anschlages für die Besatzung der „Cole“ die mittlere Alarmstufe BRAVO (bewaffnete Soldaten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-171" href="http://www.d-mz.de/archives/157/dmz-76-1"><img class="alignleft size-medium wp-image-171" title="dmz-76-1" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/06/dmz-76-1-300x148.jpg" alt="dmz-76-1" width="300" height="148" /></a>Das USV-Schnellboot „Protector“</strong></p>
<p>Mit dem Anschlag auf den US-Zerstörer „Cole“ in der jemenitischen Hafenstadt Aden im Oktober 2000 wurde deutlich, daß auch modernste Kriegsschiffe – selbst wenn sie in einem „sicheren“ Hafen liegen – durch unkonventionelle Angriffsmethoden stark gefährdet sind. Obwohl zum Zeitpunkt des Anschlages für die Besatzung der „Cole“ die mittlere Alarmstufe BRAVO (bewaffnete Soldaten sichern dabei das Deck) ausgegeben war, konnte ein mit Sprengstoff beladenes und von zwei Terroristen gesteuertes ziviles Schlauchboot ungehindert an das Schiff heranfahren. Die Wucht der Detonation riß in Höhe des Maschinenraums ein neun mal zwölf Meter großes Loch in den Rumpf. Dabei wurden 19 Menschen getötet und 39 weitere verletzt. Der Schaden war so groß, daß die „Cole“ ihre Mission (Geleitschutz für den Flugzeugträger USS „George Washington“) abbrechen mußte und in die USA zurückgebracht wurde. Die Kosten für Überführung und Reparatur beliefen sich auf insgesamt 250 Millionen US-Dollar.<span id="more-157"></span></p>
<p>Der Anschlag löste ein verstärktes Nachdenken über effektive Abwehrmöglichkeiten aus und war damit gleichzeitig die Geburtsstunde des neuen USV-Konzeptes (unmanned surface vehicle), eines neuen autonomen Waffensystems für die Hafen- und Küstensicherung. Während fliegende Drohnen bei militärischen Operationen bereits zum Alltag gehören, sind solche Sensor- und Waffenplattformen unter oder auf dem Wasser noch eher unbekannt. Israel hat auf den neuen Bedarf als erstes Land reagiert. Vom Rüstungskonzern Rafael-Advanced Defense Systems Ltd. stammt das zukunftsweisende System USV „Protector“ für die Abwehr von Terrorangriffen auf dem Wasser. Das unbemannte, halbautonome Patrouillenboot bietet eine Reihe von Innovationen. Zum Steuern und Bedienen der „Protector“ sind zwei Mann erforderlich, die von einer Leitstelle an Land, einer sogenannten „Offshore-Plattform“ oder einem zentralen Schiff den Einsatz leiten und kontrollieren.</p>
<p><strong>Unsinkbares Festrumpfschlauchboot</strong></p>
<p>Durch die räumliche Distanz ist der Bediener vor möglichen Angriffen, Sprengfallen oder Selbstmordattentätern geschützt.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-174" href="http://www.d-mz.de/archives/157/protector"><img class="alignleft size-medium wp-image-174" title="protector" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/06/protector-300x208.jpg" alt="protector" width="300" height="208" /></a>Als Grundmodul dient ein stabiles und unsinkbares Festrumpfschlauchboot. Durch seine V-förmige, schnittige und aerodynamische Rumpfform ist das Boot für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Mit neun Metern Länge und einer nur drei Meter hohen Silhouette (über der Wasserlinie) ist die „Protector“ auf dem Wasser nur schwer auszumachen. Die Deckaufbauten sind auf das Wesentliche reduziert worden und durch eine spezielle Beschichtung selbst für Radar nur schwer zu orten.</p>
<p>Im Bugbereich ist eine stabile, aerodynamisch geformte Waffenstation vom Typ „Mini-Typhoon“ eingebaut. Die Standardversion der „Protector“ ist mit einem MK49 Mod. 0-Maschinengewehr mit durchschlagstarkem Kaliber 7,62 x 51 mm bestückt. Es sind jedoch auch, je nach Auftrag, größere Waffen (Gatling-Revolverkanone GAU-8 bis zum 50’er Kaliber oder das MK19-40 mm-Granatmaschinengewehr) einsetzbar. Die Waffenanlage ist selbststabilisierend gelagert, was auch bei schneller Fahrt oder Wellengang eine hohe Ersttrefferwahrscheinlichkeit gewährleistet. Die optimale Visierlinie wird mit einem Laser-Entfernungsmesser und Zielverfolgungsmodul ermittelt. Durch vorwärtsgerichtete (120 Grad), optronische Visier- und Beobachtungseinrichtungen ist der Bediener von seiner weit entfernten Leitstelle aus in der Lage, komplexe Patrouillen durchzuführen. Dabei ermöglicht das Zehnfach-Zoom der IR/Taglichtkamera (hochauflösende digitale CCD-Kamera) im Lichtmast auch bei Dunkelheit oder schlechter Sicht selbst auf größere Entfernung und in einem 360 Grad-Radius die Identifizierung von Booten, Personen oder Vorgängen. Über den Bordlautsprecher mit integriertem Mikrofon kann die Besatzung eines auf­gebrachten Bootes angesprochen und zu einem bestimmten Verhalten aufgefordert werden. Durch ein GPS und Suchradar im Lichtmast werden der Leitstelle ständig metergenau die Position des Bootes und weitere Telemetrie-Daten (Geschwindigkeit, Kurs) übermittelt. Die Datenübermittlung erfolgt über eine abhör- und störungssichere Kommunikationseinrichtung. Wenn es der Auftrag erfordert, können optional auch Sonarsensoren zur Minenortung montiert werden. Für den Selbstschutz ist eine flächenabdeckende Brandlöschanlage installiert.</p>
<p>Der dieselgetriebene Strahlantrieb beschleunigt das Boot auf eine beachtliche Geschwindigkeit von bis zu 40 Knoten (75 Stundenkilometer). Aufgrund der fehlenden Schiffsschraube ist es sogar in der Lage, über kleine Hindernisse zu fahren.</p>
<p><strong>Einsatzzeit bis zu acht Stunden</strong></p>
<p>Dadurch ist auch das Operieren in sehr flachen Küsten- und Flußgewässern möglich. Das große Volumen des Treibstofftanks erlaubt eine durchgehende Einsatzzeit von bis zu acht Stunden.</p>
<p>Das USV „Protector“ ist bereits in größerem Umfang im Persischen Golf und dem Mittelmeer im Einsatz. Es ist aber zukünftig davon auszugehen, daß weltweit Kontroll- und Überwachungsaufgaben auch in stark frequentierten mündungs- und küstennahen Gewässern oder im maritimen Objektschutz (Öl-/Gasförderanlagen oder Pumpstationen) verstärkt von unbemannten, ferngesteuerten Booten durchgeführt werden.</p>
<p>Michael Nordmann</p>
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		<title>Leise Feindfahrt</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 10:20:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Waffentechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Drei große „Elektro“-Boote liefen 1945 noch aus
Sie kamen zu spät, aber sie gehörten, ebenso wie die weltweit aufsehenerregenden V2-Raketen und die vielfach gepriesenen ersten Düsenjäger Me 262, zu den legendären deutschen Wunderwaffen: Die fortschrittlichen, für den totalen Unterwasserkrieg entwickelten U-Boote des Typs XXI, die ab April 1944 im Eiltaktverfahren in Großserien auf den Großwerften trotz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-192" href="http://www.d-mz.de/archives/161/dmz-76-2"><img class="alignleft size-medium wp-image-192" title="dmz-76-2" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/06/dmz-76-2-300x148.jpg" alt="dmz-76-2" width="300" height="148" /></a>Drei große „Elektro“-Boote liefen 1945 noch aus</strong></p>
<p>Sie kamen zu spät, aber sie gehörten, ebenso wie die weltweit aufsehenerregenden V2-Raketen und die vielfach gepriesenen ersten Düsenjäger Me 262, zu den legendären deutschen Wunderwaffen: Die fortschrittlichen, für den totalen Unterwasserkrieg entwickelten U-Boote des Typs XXI, die ab April 1944 im Eiltaktverfahren in Großserien auf den Großwerften trotz permanenter angloamerikanischer Bombenbedrohung aufgelegt wurden und von denen ein Jahr später 118 Boote – ursprünglich sollten 38 davon monatlich an die Kriegsmarine abgeliefert werden – von der U-Bootwaffe indienstgestellt und zügig auf ihren Einsatz vorbereitet waren.<span id="more-161"></span></p>
<p>Unmittelbar vor der sich abzeichnenden militärischen Niederlage des Deutschen Reiches beabsichtigte Großadmiral Karl Dönitz mit einigen dieser, den herkömmlichen U-Boot-Krieg revolutionierenden, sogenannten großen „Elektro“-Booten von den U-Bootbasen im besetzten Norwegen aus noch eine Weile „ein Schwert hochzuhalten“, um den Zeitgewinn nutzen zu können; zum einen, um vor „Toresschluß“ möglichst viele von der heranrollenden Roten Armee bedrohte Menschen aus den deutschen Ostgebieten in den sicheren Westen zu schaffen und zum anderen, um bei den bevorstehenden Kapitulationsverhandlungen mit den siegreichen Westmächten ein Faustpfand in die Schale werfen zu können.</p>
<p><strong>Auf dem Weg nach Norden</strong></p>
<p>Die Rückblende auf dieses besondere Kapitel der U-Bootgeschichte fällt auf den 16. März des schicksalhaften Kriegsjahres 1945, jenen Monat, in dem die sowjetischen Streitkräfte an der Neiße und in den Oderbrückenköpfen ihren Sturmangriff auf Berlin vorbereiteten. Gleich einem im Abenddunst blank schimmernden, leicht gewölbten Rücken eines an der Tirpitz-Mole des Marine-Stützpunktes Kiel-Wik liegenden großen Stahlfisches ragte das Oberdeck des Neubaus U 2511 knapp eineinhalb Meter über dem Wasserspiegel hinaus. Die 58köpfige Besatzung war in Dreierreihe auf dem Vorschiff angetreten und wurde vom keinem Geringeren als vom Kommandierenden Admiral der U-Boote Hans-Georg von Friedeburg zur ersten, vielversprechenden Unternehmung eines Einundzwanziger-Bootes verabschiedet.</p>
<p>Seit der Übergabe der Bauwerft Blohm &amp; Voss Mitte September 1944 war die Besatzung mit ihrem bevorzugten Boot, das als einziges dem Befehlshaber der U-Boote (BdU) direkt unterstellt war, als erstes Boot der eigens geschaffenen Erprobungsgruppe (EGRU) zugeteilt worden. Zu deren Aufgaben gehörte es, das neue Tiefenausstoßverfahren (mittels Schallortung; sogenannter OT-Schuß ohne Sehrohr-Orientierung) mit neuartigen Torpedos zu testen. Anschließend hatte U 2511 alle Ausbildungsstufen, wie die Ausbildungsgruppe (AGRU)-Front und die taktischen Übungen bei der 27. U-Flottille samt Geleitzug-Angriffsmanöver, vorrangig vor allen anderen Booten durchlaufen und als erstes Serienboot die Frontreife zuerteilt bekommen. Es hatte sich sofort gezeigt, daß der neue Bootstyp aufgrund seiner ausgezeichneten Unterwassereigenschaften einem echten Unterwasserfisch gleichkam, das erste wahre Unterseeboot war, das die Welt hervorgebracht hatte.</p>
<p>Auf dem nach Norden strebenden Boot fuhr besonders ausgewähltes Personal der U-Bootwaffe. Unter allen Typ-XXI-Kommandanten genoß KKpt. Adalbert Schnee von U 2511 das besondere Vertrauen von Karl Dönitz. Der Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub konnte bereits auf 15 Feindfahrten zurückblicken.</p>
<p>U 2511 und seine Besatzung waren seit langem dazu bestimmt, die ersten Fronterfahrungen mit einem „Einundzwanziger“ zu sammeln. Vorgesehen war auch, daß U 2511 zusammen mit U 2502, U 2506, U 2516, U 2519, U 3007 und U 3008, alle von ausgewählt erfahrenen Kommandanten geführt, als erste Typ XXI-Kampfgruppe eingesetzt werden sollte. Diese Boote, in erster Linie U 2511, hatten alle vorgesehenen neuentwickelten Geräte eingebaut bekommen.</p>
<p><strong>So leistungsfähig wie kein anderes</strong></p>
<p>Mit seinem Brennstoffvorrat von 200 Tonnen und 22 Tonnen gebunkertem Proviant wäre das 1.610 Kubikmeter verdrängende U 2511 in der Lage gewesen, ohne Zwischenstopp bis nach Japan beziehungsweise rund um Kap Hoorn in den Pazifik zu gelangen, wobei seine 372 Batteriezellen ihm eine Höchstgeschwindigkeit unter Wasser von 16 bis 17 Knoten garantierten; die herkömmlichen VIIC-Boote schafften gerade mal kurzzeitig siebeneinhalb Knoten und waren, wenn sie geortet wurden, den U-Boot-Jagdeinheiten hoffnungslos ausgeliefert.</p>
<p>Als erstes Typ XXI-Boot erreichte U 2511 am 23. März 1945 unbeschadet Norwegen und machte bei der U-Boot-Abnahmekommando (UAK)-Außenstelle in Horten fest, um dort drei Tage darauf einen Tieftauchversuch vor dem Oslo-Fjord durchzuführen, der sich – obwohl die rechnerische Zerstörungstauchtiefe bei 330 Metern lag – auf 175 Meter beschränkte. Am 8. April lief es in den Stützpunkt Kristiansand ein, um sich auf die Feindfahrt weiter vorzubereiten.</p>
<p>Am 18. April verließ U 2511 Kristiansand, um im Unterwassermarsch nach Bergen zu verlegen.</p>
<p>In der ersten Nachtstunde des 19. April 1945 wurde das nach Norden strebende U 2506, dessen Kommandant Ritterkreuzträger Kptl. Horst von Schroeter war, im Kattegat von einem Flugzeug angegriffen, konnte sich dem Angriff aber durch schnelles Wegtauchen entziehen. Somit hatte das zweite XXIer Boot den Durchbruch nach Norwegen geschafft, und das dritte dieser Boote, U 2502, schickte sich am 19. April an, im Geleit die gefahrvolle Meerenge zwischen Nordjütland und Schweden zu passieren, wo es „Mosquito“-Jagdbomber und „Mustang“-Jäger der RAF aus weniger als 200 Metern Entfernung mit ihren Geschossen eindeckten.</p>
<p><strong>Die Vorbereitungen und Tests verlaufen gut</strong></p>
<p>In der Nacht vor dem Einlaufen in Bergen nahm U 2511 vor dem Korsfjord den Geräuschpegel eines feindlichen U-Bootes auf. Es handelte sich um HMS „Tapir“, das am 12. April vor Bergen das VIIC-Boot U 486 vernichtend torpediert hatte (48 Tote) und dort als Wegelagerer weiteren deutschen ein- und auslaufenden U-Booten auflauerte. Das akustisch leise U 2511 konnte die ganze Nacht hindurch, aufgrund seiner besseren Horch- und Schallgeräte, den feindlichen Bruder einwandfrei verfolgen, ohne daß dieser die Anwesenheit des Typ XXI-Bootes wahrzunehmen imstande war. KKpt. Schnee hatte aufgrund der Vorteile des eigenen Bootstyps die Situation immer in eigener Hand. Obwohl er gute OT-Schußmöglichkeiten nach angegegebenen Werten des Horizontallotes der neuartigen SU-Anlage „Nibelung“ hatte, sah er letztlich doch wegen einer möglichen Verwechslungsgefahr von der Vernichtung des anderen Bootes ab und lief am 21. April in Bergen ein.</p>
<p>Nach weiteren Vorbereitungen unternahm U 2511 am 24. April einen ersten Ausmarschversuch in die Norwegensee, mußte aber nach drei Tagen wieder in Bergen einlaufen, um in der Werft eine Dieselpanne (Pleuelstangenbruch durch Kolbenwasserschlag) zu beheben.</p>
<p>Während an der Heimatfront die Rote Armee seit dem 25. April ihren Einkesselungsring um Berlin enger schloß, befand sich Norwegen fest in deutscher Hand.</p>
<p>Am 28. April entließ der Stützpunktleiter Kristiansand-Süd, KKpt. Ernst Mengersen, U 2506 zur Feindfahrt, die wie bei allen vorgesehenen Einsätzen von „Elektro“-Booten gänzlich unter Wasser erfolgen sollte, mit der Weisung, am Westeingang von Gibraltar zu operieren.</p>
<p>Frühmorgens am 29. April traf U 2529 als viertes Boot des Typs XXI unbehelligt in Horten ein. Am 2. Mai verlegte U 2529 im Unterwassermarsch nach Kristiansand, wo es sich für eine Südunternehmung bereithielt.</p>
<p>Am Abend dieses Tages verabschiedete Flottillenchef (11. U-Flo.) FKpt. Heinrich Lehmann-Willenbrock U 2511 mit der von Dönitz ausgewählten Elite-Besatzung nochmals zur ersten Unternehmung in der Karibischen See. Die erfahrenen Offiziere Schnee und Reinhard „Teddy“ Suhren, die bei der Entstehung des Typs XXI von Anfang an mitgewirkt hatten, sollten nach der ersten Feindfahrt ein klares Urteil über das neue Boot abgeben.</p>
<p><strong>Ein klares Zeichen – Schießverbot</strong></p>
<p>Das weiß gestrichene U 2511 stahl sich nachts um halb drei des nächsten Tages aus dem Fjord von Bergen und tauchte beim Erreichen der offenen See querab des Leuchtturms Marstein ab. Fortan blieb es unter der Meeresoberfläche verborgen, lud seine Fahrbatterie, wenn sich deren Ladezustand verringerte, im Schnorchelbetrieb mit seinen Dieselgeneratoren wieder auf. Die Funkverbindung zur Befehlsstelle ließ sich auch unter Wasser herstellen.</p>
<p>Am Abend dieses dritten Tages des letzten Kriegsmonats lief als drittes Typ XXI-Boot das mit 68 Mann überbelegte U 3008, unter dem Kanonendonner der schon bei Varel verlaufenden Frontlinie vom Flottillenchef der 22. U-Flo., KKpt. Heinrich „Ajax“ Bleichrodt, verabschiedet, von Wilhelmshaven zur Feindfahrt aus. Im Kielwasser nachziehendes Meeresleuchten wurde als ungutes Omen gedeutet. Nach dem Passieren von Helgoland entschloß sich Kommandant Kptl. Helmut Manseck, die Weiterfahrt bis an die südnorwegische Küste unter Wasser fortzusetzen. Dort wurde bei einer Tieftauchprobe in 170 Metern der Grund erreicht. Nachdem U 3008 Bergen zur Torpedo-Ergänzung angesteuert hatte, folgte es U 2511 in den Atlantik nach.</p>
<p>Am 4. Mai 1945 entsandte Dönitz, seit drei Tagen im Amt des Reichspräsidenten, Admiral Hans-Georg von Friedeburg zu Kapitulationsverhandlungen zum Ober­befehlshaber der alliierten Truppen in Europa, US-General Dwight D. Eisenhower, und setzte gleichzeitig ein klares Zeichen des Entgegenkommens, indem er Schießverbot für alle U-Boote befahl. Wegen des ergangenen Angriffsverbotes wurde der für den Abend desselben Tages vorgesehene Auslauftermin zur Unternehmung des wieder gefechtsklaren U 2506 aufgehoben.</p>
<p>An diesem Tag befand sich das unablässig unter der Meeresoberfläche fahrende U 2511 auf einer Position westlich der Färöer-Island-Passage und hatte somit, von gegnerischen Luft- und Seestreitkräften unbemerkt, die Pforte zum Atlantik bereits passiert. Beim Eintritt in den Atlantik hatte es wiederholt Feindberührung, wobei es sich unbemerkt auf leichte Weise gegnerischen Suchgruppen zu entziehen vermochte. An Bord war man von den absoluten Höchstleistungen des Bootes hellauf begeistert. Mit dem neuen Boot war die U-Bootwaffe nunmehr in der Lage, unter Wasser ebenso erfolgreich zu sein wie in den ersten Kriegsjahren mit den kleinen alten Booten über Wasser. In den sechs Bugtorpedorohren lagen die mordernsten Torpedos und 14 weitere konnten in kürzester Zeit per Schnelladeeinrichtung nachgeladen werden. Allein zwei oder drei Fächer von je sechs lagenunabhängigen LUT-Torpedos, die schnell verschossen werden konnten, würden genügen, um mit ihren Schleifenbahnen einen kompletten Schiffskonvoi anzugreifen und eine hohe Trefferquote zu garantieren.</p>
<p><strong>Die Hetzjagd beginnt</strong></p>
<p>Immer noch befanden sich die Angelsachsen in dem Irrglauben, auch die neuen, demnächst in den Atlantik vordringenden deutschen U-Boote müßten in atlantischen Gewässern nachts aufgetaucht marschieren, um ihre Batterien aufzuladen. Sie hatten weder eine Vorstellung von der quasi unbegrenzten Unterwasserausdauer noch einen blassen Dunst von der hohen Schleichfahrtgeschwindigkeit, auch nicht von der raschen Nachlademöglichkeit und der außergewöhnlichen Sensorikausstattung des neuen Typs.</p>
<p>Während U 2511 weiter in den Atlantik hineinfuhr, erreichte es während des Schnorchelns der Funkbefehl, daß die Kampfhandlungen zur See einzustellen seien. Zudem erging der Rückmarschbefehl für alle Boote. Insbesondere die in Deutschland verbliebenen Boote des Typs XXI wollte man nicht den Siegern überlassen. Sie fielen in den ersten Maitagen unter der ausgegebenen Losung „Regenbogen“ ausnahmslos der großen Selbstversenkungsaktion von über 200 U-Booten in deutschen Küstengewässern zum Opfer.</p>
<p>Am 5. Mai hatte das rückkehrende U 2511 die Färöer passiert und befand sich nördlich der Shetlands. Kurz nach der Mittagszeit meldete der Horcher, daß es einer U-Jagdgruppe von vier Fahrzeugen gelungen wäre, das Boot zu erfassen. Alsbald war das Pinken von Schallpeilungen (Asdic) der Fühlung bekommenden U-Jäger – es handelte sich um den Flak-Kreuzer „Bellona“ und eine Rotte Zerstörer – deutlich im ganzen Boot zu hören. Die allesamt fronterfahrenen U-Bootmänner in der Tiefe wußten aus leidvoller Erfahrung, daß nunmehr ein geortetes U-Boot des älteren Typs kaum noch eine Chance besäße, dem unweigerlich einsetzenden Wasserbombenhagel entkommen zu können. Während die hastig heranpirschenden Todfeinde jedes deutschen U-Bootes, die sich im sicheren Gefühl eines weiteren Erfolges wähnen konnten, zur Hetzjagd auf ein vermeintlich leicht zu erlegendes Beutewild ansetzten, schalteten in der Tiefe die U-Bootmaschinisten die jeweils drei Teilbatterien à 62 Akkuzellen der im unteren Boot lagernden Fahrbatterie in Reihe. In dieser mit 360 Volt Spannung erreichten höchsten Fahrstufe übertrug jede der zwei Haupt-E-Maschinen im Achterschiff ihre 2.500 PS auf eine der beiden Propellerwellen, die das Boot auf eine Unterwassergeschwindigkeit von 16 Knoten brachten.</p>
<p>Schnee befahl eine Kursänderung von etwa 30 Grad und ließ U 2511 die Richtung einschlagen, welcher die Verfolger an der Oberfläche gegen Wind und Wellen nachfolgen mußten. Nach kürzester Zeit waren sie abgeschüttelt. In U 2511 hörte man noch in 5.000 Metern Entfernung die Spürhund-Meute, die ihre Wabo-Werfer vergeblich zum „easy u-boat-kill“ klariert hatten, mit ihren Schallortungsgeräten nach dem verflüchtigten Phantom-U-Boot suchen, jedoch konnten sie das sich ihnen dargebotene Phänomen sicherlich nicht begreifen. Wie ein kräftiger, mit wenigen Schwanzflossenschlägen entschlüpfender Hai war das neue Boot dem ausgeworfenen Fangnetz seiner Häscher entkommen. Derart leicht war es dem neuen deutschen U-Boot gelungen, die gegnerische U-Boot-Abwehr auszuschalten, ohne dabei die Kapazität seiner starken Batterien auch nur annähernd zu erschöpfen.</p>
<p><strong>Der erste, einzige und letzte Angriff</strong></p>
<p>In den frühen Morgenstunden des 6. Mai erfuhr die in eine ungewisse Zukunft heimsteuernde Besatzung von U 2511 noch eine Belebung, als der Horcher starke Schraubengeräusche aus nördlicher Richtung aufnahm. Schnee stieg auf Sehrohrtiefe empor und erblickte an der Kimm einen von mehreren Zerstörern gesicherten englischen schweren Kreuzer der Suffolk-Klasse. Einen solchen zehntausend Tonnen schweren Stahlbrocken hatte er während des gesamten Krieges nicht vor den Bug gekriegt, nun aber geschah dies ausgerechnet wenige Stunden nach Einstellung des Seekrieges.</p>
<p>Wer aber konnte dem gerade proklamierten Frieden bereits trauen? Laut Rollentafel nahm die Besatzung ihre einexerzierten Gefechtsstationen ein. Wie bei einem schulmäßig vorgesehenen Angriff schloß U 2511 mit hoher Unterwassergeschwindigkeit zum Flottenverband auf und untertauchte in vormals ungewohnter großer Tiefe die Zerstörersicherung, um eine Angriffsposition zirka 600 Meter seitlich des nahezu 200 m langen Kreuzers einzunehmen, bei einer Schußdistanz und Zielbreite, die in jedem Fall zum Erfolg führen mußte. Die Hauptmaschinen wurden abgeschaltet und der Angriff mit dem geräuschlosen Schleichfahrtmotor, den es bei den früheren Booten nicht gegeben hatte, durchgeführt. Kein Zickzacken oder Ausweichen hätte dem Kreuzer mehr etwas genützt. Immer noch ahnte keine Seele auf dem englischen Kriegsschiff etwas davon, daß eine unbekannte Gefahr ihnen aus der Tiefe erwuchs. Die Schußdaten waren in den Torpedorechner eingegeben, drei Torpedorohr-Mündungsklappen waren schon geöffnet worden. Torpedo-Maat Heinz Bachmann hielt bereits die Hand am Abfeuerungsknopf. Der Angriff war, verglichen mit den früheren Unterwasserangriffen mit den alten Frontbooten, nahezu ein Kinderspiel.</p>
<p>Der besonnene Kommandant Schnee ließ es aber dabei bewenden, daß ihm eine theoretische Entschädigung für das unsäglich schwere Bangen und Ringen der letzten zwei Jahre widerfuhr, als die deutschen Boote so gut wie chancenlos waren und das Alleräußerste riskierten, wollten sie zum Erfolg kommen, aber dennoch meistens unterliegen mußten. Er befahl Fahrterhöhung und tauchte unter dem Kiel des Kreuzers hindurch. Die Besatzung erfuhr ein bis dahin nicht gekanntes Gefühl der Sicherheit und Überlegenheit, und sie empfand es als einen stillen, späten Triumph. Es blieb der erste, einzige und letzte Angriff eines Typ XXI-Bootes – allerdings ein nicht vollständig durchgeführter, ein „blinder“ Angriff.</p>
<p>Am Leuchtturm Marstein tauchte U 2511, das seine gesamte Hin- und Rückfahrt im getauchten Zustand zurückgelegt hatte, am 7. Mai erstmalig wieder auf. In Bergen legte es sich längsseits des am Dokkerskjaerkajen liegenden U 3514. An der anderen Seite von U 2511 vertäuten sich U 2506 und das VIIC-Boot U 1202.</p>
<p><strong>Das Tor gen Westen offenhalten</strong></p>
<p><a rel="attachment wp-att-195" href="http://www.d-mz.de/archives/161/u-boote"><img class="alignleft size-medium wp-image-195" title="u-boote" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/06/u-boote-300x216.jpg" alt="u-boote" width="300" height="216" /></a>Zu diesem Zeitpunkt waren nacheinander U 2513, U 2518, U 3515, U 3017, U 3035 und U 3041 durch die engen, minenfreien Zwangswege des Belts und das Skagerrak nach Norwegen nachgefolgt, während die auf dem Verlegungsmarsch dorthin befindlichen Boote U 2503, U 2521 und U 3523 durch Fliegerangriffe versenkt worden waren. U 3503 hatte sich nach Fliegerbeschuß am 5. Mai vor Göteburg selbstversenkt. Bei dem sich abzeichnenden Kriegsende galten die Anstrengungen der U-Bootwaffe nur noch dem einem Ziel, auf der Ostsee ein Tor gen Westen offenzuhalten, um die vor der sowjetischen Willkür flüchtenden Menschen zu retten. Für das Verlegen von weiteren U-Booten nach Norwegen stand kein Tropfen Treibstoff mehr zur Verfügung</p>
<p>Währenddessen durchquerte das rückmarschierende U 3008 draußen das Seegebiet zwischen Norwegen und England und hatte ein ähnliches Zusammentreffen wie zuvor U 2511. Etwa zwei Stunden nachdem es die Nachricht von der Kapitulation der deutschen Wehrmacht empfangen hatte, lief gleich eine ganze Armada von lohnenden Zielen vor seine schußbereiten Rohre. Manseck richtete seine Zieloptik nacheinander auf den schweren Kreuzer „Birmingham“ (9.100 t) und den modernen leichten Kreuzer „Dido“ (5.490 t), erblickte zudem in einiger Entfernung einen Flugzeugträger und Transportschiffe. Die Schiffsformation, die das Herz eines jeden U-Bootkommandanten höher schlagen lassen mußte, befand sich auf dem Weg nach Kopenhagen. Auch auf diesen Schiffen erkannte niemand, welch gefährliches Unterwasserfahrzeug sie umspähte.</p>
<p>In der folgenden Nacht brach U 3008 aus der Tiefe hervor. Zum einzigen und letzten Mal zeigte sich ein mit deutschen Seesoldaten besetztes, vollausgerüstetes Typ XXI-Kampfboot auf der offenen hohen See. Über Funk erfuhr die Besatzung die Kapitulationsanordnungen der Siegermächte. U 3008 wurde aufgefordert, Loch Eriboll anzulaufen, aber die Besatzung hielte es für ratsam, diese Weisung zu ignorieren. Wie auch zuvor auf U 2511 hing die Besatzung vorübergehend dem Gedanken nach, Südamerika oder die Südsee-Inseln anzulaufen. Aber man wollte die Heimat in schwerer Zeit nicht im Stich lassen. In Kenntnis der deutschen Minenfelder fand U 3008 eine Durchfahrt an die dänische Küste. Unter den geöffneten Bombenschächten eines englischen Flugzeuges wurde es vor Frederikshaven zum Stoppen gebracht und unter Bewachung nach Kiel eskortiert.</p>
<p><strong>„Norfolk“ in tödlicher Gefahr</strong></p>
<p>Unter den am 15. Mai in den Hafen von Bergen einlaufenden Kriegsschiffen befand sich zu KKpt. Schnees Überraschung jener englische Kreuzer, dem das Glück beschieden war, nicht vor, sondern einige Stunden nach dem Zeitpunkt der Einstellung der Kampfhandlungen auf U 2511 zu treffen. Schnee, von dem die Engländer wußten, daß er als Dönitz’ Vertrauter mit seinem weißen Boot auf Feindfahrt gewesen war, wurde auf den Kreuzer – es handelte sich um die „Norfolk“ (9.925 t) – gebracht und der britischen Admiralität vorgeführt. Als der Admiral sich nach Feindberührungen erkundigte, eröffnete Schnee ihm, daß er eben auf den Kreuzer einen Scheinangriff gefahren habe, auf dem man sich befände. Augenblicklich entstand Hektik in der Messe, man hielt dies für völlig ausgeschlossen. Die Kommandanten des Kreuzers und der Zerstörer wurden befragt und schließlich, nachdem alle Logbücher mit dem von U 2511 verglichen worden waren und die Standorte zum Zeitpunkt des Angriffs übereinstimmten, lag der klare Beweis vor, in welch tödlicher Gefahr sich die „Norfolk“ befunden hatte.</p>
<p>Von den 135 Booten des Typs XXI, die bis Kriegsende bei den Endmontagewerften vom Stapel gelaufen waren, hatte ein Dutzend – die nach Norwegen gelangten Boote – überlebt, weil die dortigen U-Bootoffiziere von Dönitz ausdrücklich verpflichtet worden waren, keine Boote selbstzuversenken. Sie wurden als äußerst begehrte Kriegsbeute auf die Siegermächte verteilt, denen sie als Vorbilder für deren U-Bootbau dienten. U 2511 und U 2506 versenkten die Briten während der Operation „Deadlight“ Anfang Januar 1946 nördlich Irland; U 3008 wurde 1955 von den USA abgewrackt.</p>
<p><strong>U 2540 kann besichtigt werden</strong></p>
<p>Die U-Bootwaffe gehörte mit den „Elektro“-Booten zu den Waffengattungen der Wehrmacht, die am Kriegsende schlagkräftiger geworden waren als je zuvor. Ihr Admiral von Friedeburg, der deren Heimatorganisation aufgebaut hatte, wählte Ende Mai 1945, als seine U-Bootwaffe nicht mehr existierte, den Freitod.</p>
<p>Im Jahre 1957 wurde U 2540 gehoben und diente danach der Bundesmarine für den Neuaufbau der modernen U-Bootflotte. Es ist das einzige der Nachwelt erhalten gebliebene Typ XXI-Boot, das heute beim Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven besichtigt werden kann.</p>
<p>Eckart Wetzel</p>
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		<title>Militärische Leckerbissen</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 10:20:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Waffentechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Deutsche Militärfahrzeuge in Holland
Geschichtliche Begebenheiten gewinnen einen eigentümlichen Reiz, wenn wir die Örtlichkeit kennen, wo sie stattgefunden haben“, soll der preußische Generalfeldmarschall Helmut von Moltke einmal gesagt haben. Wer diese Erfahrung sammeln möchte, für den lohnt sich der Weg in das nur wenige Kilometer westlich der deutsch-niederländischen Grenze gelegene Overloon. Hier befindet sich das „Nationale [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a rel="attachment wp-att-181" href="http://www.d-mz.de/archives/164/dmz-76-3"><img class="alignleft size-medium wp-image-181" title="dmz-76-3" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/06/dmz-76-3-300x148.jpg" alt="dmz-76-3" width="300" height="148" /></a>Deutsche Militärfahrzeuge in Holland</strong></p>
<p>Geschichtliche Begebenheiten gewinnen einen eigentümlichen Reiz, wenn wir die Örtlichkeit kennen, wo sie stattgefunden haben“, soll der preußische Generalfeldmarschall Helmut von Moltke einmal gesagt haben. Wer diese Erfahrung sammeln möchte, für den lohnt sich der Weg in das nur wenige Kilometer westlich der deutsch-niederländischen Grenze gelegene Overloon. Hier befindet sich das „Nationale Kriegs- und Widerstandsmuseum“ der Niederlande. Es hat eine bemerkenswerte Geschichte. Im Mai des Jahres 1946 hatte ein Gründungskomitee aus dem Dorf Overloon mit dem Aufbau der Ausstellung begonnen. Erklärte Absicht war es, damit an die heftige Schlacht zu erinnern, die in der Zeit vom 24. September bis zum 16. 0ktober 1944 in dem Gebiet zwischen Overloon und Venray zwischen alliierten und deutschen Truppen stattgefunden hat. Sie war unmittelbare Folge der Bildung des sogenannten „Holland-Korridors“ Eindhoven-Nimwegen durch die 2. britische Armee am 17. September 1944 (Operation „Market Garden“). Die hohen Erwartungen der Alliierten erfüllten sich jedoch nicht. Den deutschen Truppen gelang es, die Abwehrfront zwischen Nimwegen und Venlo zu stabilisieren. „Market Garden“, die Luftlandeoperation amerikanischer, britischer und polnischer Verbände bei Arnheim und Nimwegen, scheiterte. Die deutsche Verteidigung entlang der Reichsgrenze hielt stand.<span id="more-164"></span></p>
<p>Das Kriegs- und Widerstandsmuseum Overloon gehört zu den direkten Folgen dieser Schlacht, aber auch des Zweiten Weltkrieges, soweit sich dieser zwischen 1940 und 1945 auf niederländischem Boden abgespielt hat. Den Museumsbestand bildeten zunächst die Überbleibsel des Schlachtfeldes. Dazu gehörten ein Panzerkampfwagen V „Panther“(Sd.Kfz. 171), ein 15 cm-Nebelwerfer 41, weiterhin diverse Panzerabwehr-, Flugzeugabwehr- und Feldgeschütze der deutschen Seite. Die alliierten Truppen waren unter anderem mit verschiedenen Panzerspähwagen, einem englischen Kreuzerpanzer Mk VIII „Cromwell“ Mk IV, zwei Infanteriepanzern Mk IV „Churchill“ (Ausführungen Mk IV und Mk V), einem amerikanischen mittleren Panzer M4 „Sherman“ und mit Feldgeschützen, Scheinwerfern und mehreren Flugzeugen vertreten. Dank der vielen Spenden alliierter Truppen und zahlreicher Privatpersonen mußte man die Einrichtung schon sehr bald vergrößern.</p>
<p><strong>Eine gut sortierte Sammlung</strong></p>
<p>Heute präsentiert sich das Museum auf einer Fläche von 140.000 Quadratmetern, wovon 20.000 Quadratmeter überbaute Ausstellungsfläche darstellen. Allein in der neuen, vor einigen Jahren eröffneten Halle stehen 13.000 Quadratmeter zur Präsentation von Wehrtechnik zur Verfügung. Hier wird vor allem militärisches Großgerät der Alliierten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges vorgestellt.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-182" href="http://www.d-mz.de/archives/164/militarfahrzeuge"><img class="alignleft size-medium wp-image-182" title="militärfahrzeuge" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/06/militärfahrzeuge-300x217.jpg" alt="militärfahrzeuge" width="300" height="217" /></a>Spezialisten finden in der Ausstellung aber auch eine gut sortierte Sammlung deutscher Munition und hochwertige Uniformen, Waffen sowie Ausrüstungsgegenstände der deutschen Fallschirmjägertruppe aus dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt bildet Overloon ein großzügiges und abwechslungsreiches Angebot an Besucher, vornehmlich aus Deutschland und den Niederlanden, die Geschichte dieser Region von einem Standort aus zu erschließen, der mit dem Reiz historischer Ereignisse behaftet ist.</p>
<p>Wer das Kriegs- und Widerstandsmuseum Overloon am 15. und 16. Mai dieses Jahres besucht hat, konnte nicht nur auf historischem Boden wandeln, ihn erwartete an diesem Wochenende eine Überraschung besonderer Art. Die Museumsleitung hatte unter dem Motto „Militracks Overloon“ erstmals zu zwei erlebnisreichen Tagen mit historischer Fahrzeugtechnik militärischer Provenienz eingeladen. In der Werbung wurde ausdrücklich auf die zahlreichen deutschen Militärfahrzeuge hingewiesen, die erstmals in dieser Massierung in den Benelux-Staaten einem jungen und einem alten Publikum vorgestellt wurden. Möglich machten das zwölf namhafte Militärfahrzeugsammler aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Die Zahl der Rad-, Halbketten- und Vollkettenfahrzeuge sowie militärischer Sonderanhänger, die hier versammelt werden konnten, war atemberaubend. Sie waren alle in einem ausgezeichneten technischen und optischen Zustand. Das war eine Bedingung für die Teilnahme an dem exklusiven Treffen, denn nach dem erklärten Willen der Veranstalter sollten die Fahrzeuge in Aktion gezeigt werden und auf Wunsch auch Besucher befördern. Dafür war von der Museumsmannschaft eine 1,7 Kilometer lange Waldrundstrecke durch den Museumspark vorbereitet worden. Sie führte vorbei an Tribünen, Brückendurchfahrten, Imbißständen und der Gartenterrasse der zum Museum gehörenden Gaststätte. Außerdem waren überall an diesem Parcours Sitzbänke aufgestellt. Es gab also ausreichend Gelegenheit für die Enthusiasten historischer Militärtechnik, die Objekte ihrer Begierde, in voller Fahrt durch das schwierige Gelände, zu fotografieren.</p>
<p><strong>Erlebnis: Eine Fahrt im historischen Fahrzeug</strong></p>
<p>Davon ist reichlich Gebrauch gemacht worden, das zumindest hat Fahrern und Mitfahrern das Blitzlichtgewitter auf der Strecke signalisiert. Viele Besucher nutzten überdies das Angebot, mit einem Jagdpanzer 38 „Hetzer“ (Sd.Kfz. 138/2), einem der beiden mittleren Zugkraftwagen 8 t (Sd.Kfz. 7) oder einem der drei leichten Zugkraftwagen 1 t (Sd.Kfz. 10) mitzufahren. Gleiches galt für die Personen-und Lastkraftwagen. Dabei erntete der VW-Schwimmwagen (Kfz. l/20) wiederum das besondere Interesse des Publikums. Insgesamt umrundeten die Fahrzeugveteranen 1.200mal die Waldstrecke, was 2.040 gefahrenen Kilometern entspricht. Dabei wurden fast 2.000 Liter Vergaserkraftstoff verbraucht. Je nach Fahrzeugart und -typ waren das neun bis 160 Liter auf 100 Kilometer Fahrstrecke. Rund 4.800 Besucher zählten die Mitarbeiter des Kriegs- und Widerstandsmuseums an diesem Wochenende. Das ist ein großer Erfolg. Das Angebot, Erkenntnisse und Erfahrungen in einem sehr lebendigen Museum (im wahrsten Sinne des Wortes) zu sammeln, ist angenommen worden.</p>
<p>Die größte niederländische Tageszeitung <em>De Telegraaf</em> berichtete: „Bemerkenswerte Vorführung von Kriegsfahrzeugen während des vergangenen Wochenendes im Kriegs- und Widerstandskämpfermuseum ,Liberty Park‘ in Overloon. Dort, wo normalerweise Fahrzeuge der Alliierten zur Schau gestellt sind, gab es diesmal nur deutsches Kriegsmaterial. Davon gibt es erheblich weniger, und zur Schonung werden sie nur selten dem Publikum vorgeführt.“</p>
<p>In einer Zeit voller wissenschaftlichen und technischen Hochmutes fällt es schwer, die Vergangenheit zu erkennen. Mit dem Exkurs in die Vergangenheit militärischer Fahrzeugtechnik haben die niederländischen Veranstalter den Versuch gemacht, Museumsbesuchern den Reiz historischer Technik zu vermitteln, die vor 70 Jahren Spitzentechnologie darstellte. Das ist vollauf gelungen. Gleichzeitig wurde man dem Anspruch, an den Zweiten Weltkrieg auf niederländischem Boden, im Besonderen aber an die Schlacht bei Overloon zu erinnern, gerecht.</p>
<p>Frank Schüttig</p>
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		<title>Bunkerwelten entdecken</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 23:05:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[ 
In Tutow entsteht derzeit ein privates Militärmuseum
Nach dem Zweiten Weltkrieg war nicht mehr viel zu sehen vom Örtchen Tutow in Mecklenburg-Vorpommern. Der Grund: Tutow gehörte spätestens ab 1943 zu den Zielen der strategischen Bomberverbände der Alliierten. Seit Beginn der 1930er Jahre befand sich dort der Fliegerhorst Tutow – einer der modernsten überhaupt. Dort wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_101" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><strong><strong><a href="http://www.d-mz.de/?attachment_id=101"><img class="size-medium wp-image-101 " title="bunkerwelten1" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/04/bunkerwelten1-300x200.jpg" alt="Imposante Ausstellungsstücke: Diese Fliegerbombe der Alliierten wurde auf dem Gelände des Fliegerhorstes gefunden und wird nun der Öffentlichkeit präsentiert." width="240" height="160" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Imposante Ausstellungsstücke: Diese Fliegerbombe der Alliierten wurde auf dem Gelände des Fliegerhorstes gefunden und wird nun der Öffentlichkeit präsentiert.</p></div>
<p><strong>In Tutow entsteht derzeit ein privates Militärmuseum</strong></p>
<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg war nicht mehr viel zu sehen vom Örtchen Tutow in Mecklenburg-Vorpommern. Der Grund: Tutow gehörte spätestens ab 1943 zu den Zielen der strategischen Bomberverbände der Alliierten. Seit Beginn der 1930er Jahre befand sich dort der Fliegerhorst Tutow – einer der modernsten überhaupt. Dort wurde der Fliegernachwuchs der deutschen Wehrmacht ausgebildet. Für die jungen Flieger hatte der Fliegerhorst jede Menge zu bieten: Für deren Freizeitgestaltung standen ein Stadion, eine Schwimmhalle, eine Turnhalle, eine Kegelbahn, ein Tennisplatz, ein Schießstand und eine große Bibliothek mit Lesesaal zur Verfügung. <span id="more-98"></span></p>
<p>Zusammen mit den luftfahrttechnischen und militärischen Einrichtungen wurde auch die Siedlung Tutow errichtet. 1934 wurden von der Reichsluftwaffe in Tutow ein Behelfskampfgeschwader (I. Gruppe des Kampfgeschwaders 152) aufgestellt und eine Fliegerhorstkommandantur eingerichtet. Am 1. Januar 1935 wurde die Kampffliegerschule Tutow eröffnet. Bis zum 1. März 1935 führte sie die Tarnbezeichnung „Funkpeilversuchsinstitut der elektrotechnischen Industrie e.V. Tutow“. Am 1. Oktober 1935 wurde die II. Gruppe des Kampfgeschwaders 152 aufgestellt. 1938 wurde in Tutow die Kampfgruppe z.b.V. 4 aus drei Staffeln Ju 52 aufgestellt, die jedoch schon am 22. Oktober 1938 wieder aufgelöst wurde. Ab dem 1. November 1938 trug die Fliegerschule die Bezeichnung Große Kampffliegerschule und die II. Gruppe des Lehrgeschwaders 2 (Schlachtflieger mit Hs 123) wurde hier stationiert. Neben Flugzeugführern wurden hier auch Kampfbeobachter, Bordfunker und Bordschützen ausgebildet. Außerdem war in Tutow ein Flak-Lehrregiment stationiert. Für die Ausbildung standen unter anderem ein Planetarium sowie Flugsimulatoren zur Verfügung. Die Garnisonstärke erreichte in Tutow zeitweise 3.000 Mann.</p>
<p><strong>Geheime Missionen in das Baltikum</strong><br />
Auf dem Flugfeld Süd waren bis 1944 Maschinen des geheimen Kampfgeschwaders 200 stationiert, das Kommandosoldaten von hier nach Estland, Lettland und Weißrußland transportierte. Im Zweiten Weltkrieg erfolgten während der sogenannten „Big Week“ der Alliierten ab dem 20. Februar 1944 vier Luftangriffe durch die 8. US Air Force auf den Flugplatz. Nach Bombenangriffen auf die Arado-Werke in Warnemünde wurde in Tutow ein Nebenwerk für die Endmontage der Fw 190 eingerichtet.</p>
<p>Ende April 1945 verließen die letzten Einheiten der Reichsluftwaffe den Fliegerhorst, der am 30. April von der Roten Armee eingenommen wurde. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Einrichtungen des Flugplatzes als Reparationsleistungen demontiert.</p>
<p>Erst 1952 erfolgte ein Ausbau der Start- und Landebahn für Düsenflugzeuge. Neben Truppen der Sowjets waren später auch Einheiten der NVA auf dem Flugplatz stationiert. Die Luftstreitkräfte der DDR ließen hier in den 1960er Jahren Piloten auf MiG-15 und MiG-21 ausbilden. Die Truppen der Sowjetunion, die ab 1985 allein auf dem Platz stationiert waren, verließen 1993 mit ihren Su 25 das Gelände.</p>
<p>In enger Zusammenarbeit mit anderen militärhistorischen Ausstellungen entsteht derzeit in Tutow ein militärgeschichtliches Museum, das die Vermächtnisse der Vergangenheit des Küstenvorlandes sowohl Einheimischen als auch Touristen zugänglich und erlebbar machen soll. Wer sich für deutsche Militärgeschichte interessiert und schon immer mehr sehen wollte, als in den üblichen Museen möglich ist, kann nun eine informative Reise durch die Zeit unternehmen und viele bisher für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Bunkeranlagen betreten. Zu sehen sind in Tutow nicht nur ein liebevoll in freiwilliger Arbeit hergestelltes Modell des alten Wehrmacht-Fliegerhorstes, sondern allerhand seltene Ausstellungsstücke, die von Tutower Bürgern und Sammlern zusammengetragen wurden. Alle Ausstellungsstücke stammen aus der Zeit des Dritten Reiches und des Kalten Krieges. Es handelt sich um Originalteile aus Hinterlassenschaften, die ausschließlich von den Ehemaligen des Tutower Fliegerhorstes stammen.</p>
<p>Bei fachkundigen Führungen lernen die Besucher ober- und unterirdische militärhistorische Bauwerke deutscher Vergangenheit kennen. Tutow liegt rund 60 Kilometer von Peenemünde entfernt. Dort soll das ehemalige Waffenforschungszentrum zu einem Ort von internationaler Bedeutung ausgebaut werden. Das ehemalige Kraftwerk soll nach Abschluß der Arbeiten vollständig begehbar sein. Dann wird man von der obersten Etage aus einen Ausblick über die gesamte vormalige Versuchsanstalt haben.</p>
<p>Aber auch ein Ausflug auf den polnisch verwalteten Teil der Insel Usedom verspricht interessant zu werden. Dort geht es über die Festung Swinemünde hinaus weiter zu einer Erprobungsstelle der V 3.</p>
<p>Markus Schwerdtfeger</p>
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		<title>Indische Streitkräfte wollen Chili als Waffe</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 23:04:03 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>

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		<description><![CDATA[Gauhati. Im Kampf gegen den Terror wollen die indischen Streitkräfte eine neue Waffe einsetzen: die schärfste Chili-Schote der Welt. Nach eingehenden Tests hat man sich entschieden, aus der „Bhut Jolokai“, dem sogenannten „Geisterchili“ tränengasartige Granaten zu fertigen, um Verdächtige außer Gefecht zu setzen, erklärte das indische Verteidigungsministerium. Die „Bhut Jolokai“ wurde 2007 als schärfste Chili-Schote [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gauhati. Im Kampf gegen den Terror wollen die indischen Streitkräfte eine neue Waffe einsetzen: die schärfste Chili-Schote der Welt. Nach eingehenden Tests hat man sich entschieden, aus der „Bhut Jolokai“, dem sogenannten „Geisterchili“ tränengasartige Granaten zu fertigen, um Verdächtige außer Gefecht zu setzen, erklärte das indische Verteidigungsministerium. Die „Bhut Jolokai“ wurde 2007 als schärfste Chili-Schote ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen. Sie wird im Nordosten Indiens angebaut und dort auch wegen ihres Aromas oder gegen die Sommerhitze gegessen. Ihre Schärfe beträgt mehr als eine Million Scoville-Einheiten, der wissenschaftlichen Maßeinheit für Schärfe. <span id="more-94"></span>Die klassische Tabasco-Sauce kommt auf 2.500 bis 5.000 Scoville-Einheiten. Auch der bekannte Jalapeno-Pfeffer bringt es nur auf 2.500 bis 8.000 Einheiten. „Die Chili-Granate ist reif für den Einsatz, wie bei Tests in den Labors der indischen Streitkräfte ermittelt wurde“, erklärte ein Sprecher des indischen Verteidigungsministeriums. „Das ist definitiv eine effektive nichtgiftige Waffe, weil ihr beißender Geruch Terroristen die Luft nimmt und sie aus ihren Verstecken treibt“, erklärte der Direktor des Forschungsinstituts der Streitkräfte. Wie er weiter erklärte, wird auch ein Spray auf der Basis von Jolokai entwickelt, das Frauen gegen Angreifer einsetzen können oder der Polizei als Einsatzmittel dienen kann.</p>
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		<title>Das neue Raubtier der Bundeswehr</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 23:03:47 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Schützenpanzer „Puma“: Effizientester Schützenpanzer der Welt
Jede moderne Armee der Welt stützt sich auf seine drei Säulen: Marine, Luftwaffe und Heer. Bei der Bundeswehr wird letztere als größte Teilstreitkraft im wesentlichen durch Panzergrenadier- und Jäger-Verbände gestellt. Basierend auf den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges, gehen die Grenadiereinheiten bevorzugt im Verbund mit dem Kampfpanzer „Leopard“ gegen feindliche Kräfte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_102" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a rel="attachment wp-att-102" href="http://www.d-mz.de/archives/122/puma1"><img class="size-medium wp-image-102" title="puma1" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/04/puma1-300x222.jpg" alt="Der Puma bietet eine variable Einheitsplattform – eine weitere Nutzung als Berge-, Transport- oder Flugabwehrpanzer nach dem neuen Beschaffungsplan der Bundeswehr ist daher möglich." width="240" height="178" /></a><p class="wp-caption-text">Der Puma bietet eine variable Einheitsplattform – eine weitere Nutzung als Berge-, Transport- oder Flugabwehrpanzer nach dem neuen Beschaffungsplan der Bundeswehr ist daher möglich.</p></div>
<p><strong>Schützenpanzer „Puma“: Effizientester Schützenpanzer der Welt</strong></p>
<p>Jede moderne Armee der Welt stützt sich auf seine drei Säulen: Marine, Luftwaffe und Heer. Bei der Bundeswehr wird letztere als größte Teilstreitkraft im wesentlichen durch Panzergrenadier- und Jäger-Verbände gestellt. Basierend auf den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges, gehen die Grenadiereinheiten bevorzugt im Verbund mit dem Kampfpanzer „Leopard“ gegen feindliche Kräfte vor. Für ihr schnelles und flexibles Vorgehen dient den Grenadieren seit 1971 der Schützenpanzer „Marder“ als Gefechtsfahrzeug und Mutterschiff. <span id="more-122"></span>Ursprünglich für die großen Panzerschlachten eines dritten Weltkrieges zwischen den ehemaligen Großmächten USA und UdSSR konzipiert, zeigten sich beim „Marder“ bereits während seines ersten Einsatzes 1999 im Kosovo-Krieg (und später auch in Afghanistan) in der Verwendung als Patrouillen- und Sicherungskomponente Schwachstellen. Vorkommnisse mit Sprengfallen verdeutlichten, daß der Minenschutz nicht ausreichend war. Auch die fehlende Klimaregulierungsmöglichkeit im Panzer­innenraum macht den Soldaten und der Technik schwer zu schaffen. Der SPz „Marder“ ist ein gelungenes „Kind seiner Generation“, und die etwa 1.500 Gefechtsfahrzeuge der Bundeswehr sind nach wie vor für die reine Landesverteidigung bestens geeignet.</p>
<p>Der „Puma“ soll nun in der nahen Zukunft die durchsetzungsstarke Waffe des Heeres bei globalen Auslandseinsätzen darstellen.</p>
<p>Vorausschauend ist bereits 1996, im Auftrag des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz, von den Rüstungsherstellern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall-Landsysteme (RLS) mit der Neukonzeptionierung eines Nachfolgemodells des „Marder“ begonnen worden. Nachdem der Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestages im September 2002 den Entwicklungsauftrag bestätigte und 2004 die Anschaffung von insgesamt 410 neuen Schützenpanzern freigegeben wurde, trat das Hersteller-Konsortium 2009 bei einem Symposium im Ausbildungszentrum der Panzertruppe in Munster mit dem neuartigen SPz „Puma“ vor die Presse.</p>
<p>Mit einer Länge von 7,40 Metern, einer Breite von 3,43 Metern und einer Höhe von 3,10 Metern ist der „Puma“ etwas größer als sein Vorgänger. Die zusätzlich adaptierbaren Schutzmodule (Schutzstufe C = Combat) erhöhen seine Breite sogar auf 3,70 Meter.</p>
<p>Auch das Grundgewicht von 31,45 Tonnen erhöht sich dadurch auf 41 Tonnen. Angetrieben wird der Schützenpanzer von einem 1.088 PS (800 kW bei 4250 U/min) starken Zehn-Zylinder-Kompakttriebwerk (V 10 892 High Power Density Motor) von MTU. Das erlaubt auf der Straße eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. Die Einsatz-Reichweite beträgt dabei bis zu 600 Kilometer.</p>
<p>Durch das neuartige, entkoppelte hydraulische Stützrollenlaufwerk ist das gesamte Fahrwerk nur über Dämpfungselemente mit der Wanne verbunden. Diese Innovation vermindert erheblich die auftretenden Vibrationen und verringert zusätzlich den Körperschallpegel auf erträgliche 96 dBA. Die Federkraft wird durch temperaturunempfindliche hydropneumatische „Hydrops“ (mit komprimierbarem Gas) gewährleistet und hält die Bodenfreiheit konstant auf 45 Zentimeter. Insgesamt hat der SPz „Puma“ eine Tiefwatfähigkeit von 1,5 Metern Wassertiefe, ist aber auch mit adaptiertem Tauchschacht für Unterwasserfahrten geeignet. Eine leistungsstarke Raumkühl- und Heizanlage ermöglicht Einsätze in allen Klimazonen. Das macht einen längeren Aufenthalt im ca. zehn Kubikmeter großen durchgängigen Innenraum für die neun Soldaten (drei Mann Besatzung und sechs Mann Grenadiertrupp) angenehmer.</p>
<p>In seiner Grundversion (A = airportable) ist der SPz „Puma“ im neuen Airbus A400M-Transportflugzeug luft­verladefähig und damit schnell für globale Einsätze verlegbar. Anders als bei den Schützenpanzern der übrigen NATO-Partner ist dem Schutz und der Überlebensfähigkeit der Besatzung höchste Priorität zugebilligt worden. Die modulare Verbundpanzerung bietet einen vollständigen Minen­schutz (schwere Spreng-Splitter­minen bis zehn Kilogramm) sowie ballistischen Schutz gegen Panzer­abwehrwaffen (z.B. RPG-7) und alle Infanteriewaffen (einschließlich großkalibrige Scharfschützenwaffen bis 25 mm). Selbst alle Laufwerks­komponenten und die 500 Millimeter breiten Stahllaufketten sind dem Minenschutz angepaßt. Die Soldaten sitzen in einzelnen, schockabsorbierend gefederten Schalensitzen und sind zusätzlich bei Geländefahrten angegurtet. Da aus der Erfahrung des letzten Krieges der Panzerturm am häufigsten Treffer erhält, ist dieser vollständig automatisiert worden und aus dem Fahrzeuginneren heraus zu steuern. Den Fahrzeugbedienern steht für die Fahr-Beobachtungstätigkeit sowie den Feuerkampf eine Vielzahl von optischen und optronischen Tag/Nacht­sensoren zur Verfügung.<br />
Aufgrund von Erfahrungen aus den Einsätzen von KFOR und ISAF ist besonderes Augenmerk auf die Beobachtungsvorrichtungen für den Nahbereich (bis zu 50 Meter) des Schützenpanzers gelegt worden. Mit diesen Sichtmitteln ist die gesamte Besatzung jetzt in der Lage, eine ständige turmunabhängige 360 Grad-Beobachtung zu gewährleisten. Die Primärbewaffnung des SPz „Puma“ ist eine 30 mm-Bordmaschinenkanone des Typs MK 30-2/ABM (Air Burst Munition) der Firma Rheinmetall. Mit dieser voll stabilisierten Kanone bekämpft er im Einzelfeuer oder in schnellem Einzelfeuer (200 Schuß/min.), auch aus der Bewegung heraus, gepanzerte Fahrzeuge bis 2.000 Meter Entfer­nung. Die Standard-Unter­kaliber-APFSDS-T-Munition (ein Pfeilwuchtgeschoß) durchschlägt mit hoher kinetischer Energie alle bekannten Panzerungen (Vollblock- und Schottpanzerungen). Die Abschußgeschwindigkeit beim Verlassen des Rohres beträgt dabei beachtliche 1.385 m/sek. Das bedeutet eine Flugzeit von 0,76 Sekunden bis zum 1.000 Meter entfernten Ziel.</p>
<p>Für „weiche Ziele“ (Hubschrauber, leicht gepanzerte Fahrzeuge, Infanteristen oder befestigte Stellungen) bis 3.000 Meter Entfernung steht die programmierbare KETF (Kinetic Energy Time Fuze) zur Verfügung. Deren Gefechtsköpfe können (über einen Zeitzünder) so eingestellt werden, daß sie sich vor, im oder hinter dem Auftreff-Ziel zerlegen und dann zur Wirkung kommen. Dabei werden 162 Subprojektile (Pfeilgeschosse) aus Wolfram ausgestoßen. Der Munitionsvorrat beträgt 400 Schuß, davon 200 Schuß an der Waffe.</p>
<p>Als Sekundärwaffe dient ein parallel zur BMK eingebautes MG4 Kaliber 5,56 x 45 mm, das bei der Bedienung mit der Hauptwaffe gerichtet wird. Mit einer Schußkadenz von 850 Schuß/min. kann es Ziele bis 1.000 Meter Entfernung bekämpfen. Der Munitionsvorrat umfaßt 2.000 Schuß, davon 1.000 Schuß an der Waffe.</p>
<p>Eine weitere Neuerung ist die Sprengkörperwurfanlage SKWA im Kaliber 76 mm. Sie verschießt gegen feindliche Infanteristen im Nahbereich, in einem 90-Grad-Seiten-Winkel, Granaten bis zu 90 Meter weit. Jede Granate hat einen Wirkungsbereich von 25 Metern.</p>
<p>Das Einsatzkonzept der Panzergrenadier-Truppe wird sich für die Zukunft in einem neu gestalteten Auftragsspektrum widerspiegeln. Einzelne Verbände werden sich, losgelöst von der bisherigen Taktik der „verbundenen Waffen“, selbständig und auf sich gestellt in symmetrischen und asymmetrischen Gefechten „mittlerer Intensität“ durchsetzen müssen und dies häufig in urbanem Umfeld und über einen längeren Zeitraum. Der SPz „Puma“ ist hervorragend für autonome strategisch-operative Einsätze geeignet und gilt mit Recht als der effizienteste Schützenpanzer weltweit.</p>
<p>Udo Lücken</p>
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		<title>Stalins &#8220;iranischer Korridor&#8221; 1942</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 23:02:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Spielball der Großmächte
Der Iran gehört nicht erst seit heute zu den geopolitischen Brenn­punkten des Globus. Bereits während des Zweiten Weltkrieges geriet das damals neutrale Land massiv unter Druck seitens der Alliierten – und ­wurde besetzt. Der „iranische Korridor“ sollte Stalins Sowjetunion den Nachschub aus Großbritannien und den USA sichern.
Am 18. Dezember 2009 gab Irans Präsident [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_104" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a rel="attachment wp-att-104" href="http://www.d-mz.de/archives/118/vormarsch1"><img class="size-medium wp-image-104" title="vormarsch1" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/04/vormarsch1-300x191.jpg" alt="Stalin unter Druck: Deutsche Soldaten rücken 1942 immer weiter in den Kaukasus vor, die Sowjetunion ist dringend auf Lieferungen der westlichen Verbündeten angewiesen. Den Iran durchlaufen mittlerweile jeden Tag 2.000 Transporte." width="240" height="153" /></a><p class="wp-caption-text">Stalin unter Druck: Deutsche Soldaten rücken 1942 immer weiter in den Kaukasus vor, die Sowjetunion ist dringend auf Lieferungen der westlichen Verbündeten angewiesen. Den Iran durchlaufen mittlerweile jeden Tag 2.000 Transporte.</p></div>
<p><strong>Spielball der Großmächte</strong></p>
<p>Der Iran gehört nicht erst seit heute zu den geopolitischen Brenn­punkten des Globus. Bereits während des Zweiten Weltkrieges geriet das damals neutrale Land massiv unter Druck seitens der Alliierten – und ­wurde besetzt. Der „iranische Korridor“ sollte Stalins Sowjetunion den Nachschub aus Großbritannien und den USA sichern.<br />
Am 18. Dezember 2009 gab Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad beim Kopenhagener Klimagipfel eine Pressekonferenz, deren Inhalte in der Berichterstattung westlicher Medien bezeichenderweise kaum einen Niederschlag fanden. Ahmadinedschad forderte nämlich Wiedergutmachungszahlungen für die Schäden, die der Iran im Zweiten Weltkrieg erlitten hätte. Die Staaten, die den Krieg gewonnen hätten, fügten dem Iran immensen Schaden zu, als sie das Land besetzten und sich seiner Ressourcen bedienten, betonte der iranische Präsident.<span id="more-118"></span> Konkret spielte Ahmadinedschad hier auf die völkerrechtswidrige britisch-sowjetische Invasion („Operation Countenance“) in den neutralen Iran im August 1941 an, die nicht nur dem Zweck diente, den Zugriff auf die iranischen Ölfelder abzusichern, sondern vor allem den Aufbau einer Nachschublinie für die Sowjets zum Ziel hatte. Der Iran geriet deshalb ins Visier, weil andere Nachschubwege erhebliche Einschränkungen mit sich brachten: Die Nordroute über Archangelsk und Murmansk war im Winter in der Regel kaum passierbar und überdies durch Verbände der deutschen Luftwaffe, die in Norwegen stationiert waren, bedroht. Die alternative Fernost-Route über Wladiwostok lag im Aktionsradius der Japaner. Und der Zugang zum Schwarzen Meer war durch die Türkei blockiert. So blieb aus Sicht der Briten und der Sowjets, die sich nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion als Verbündete betrachteten, nur der Iran.</p>
<p><strong>Vorspiel im Irak</strong></p>
<p>Die Invasion im Iran hatte, wenn man so will, ein Vorspiel im Irak. Im April 1941 hatte hier der prodeutsch eingestellte Raschid Ali-Gailani die Macht übernommen. Er strebte eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reich an und gab den britischen Truppen im Irak zu verstehen, daß sie das Land zu verlassen hätten. Damit zeichnete sich ein für die Briten bedrohliches Szenario ab: Da auch Syrien und der Iran prodeutsch ausgerichtet waren, wäre ein Abzug aus dem Irak gleichbedeutend mit dem Ende der britischen Dominanz im Nahen Osten gewesen. Die Briten handelten schnell: Sie marschierten nach Bagdad und setzten die Regierung Gailani ab. Das deutsche „Sonderkommando Junck”, das die irakische Armee unterstützen sollte, konnte aufgrund von Nachschubproblemen an den Fakten nichts mehr ändern. Der Irak war damit wieder fest in britischer Hand.</p>
<p>Kurze Zeit später erfolgte die Invasion in den Iran, die mit einem Ultimatum, übermittelt an den iranischen Herrscher Reza Schah, eingeleitet wurde. Alle Deutschen, die noch im Iran tätig waren, sollten ausgewiesen werden. Reza Schah kam diesem Ultimatum zwar nach, was Briten und Sowjets aber nicht daran hinderte, den Iran dennoch zu besetzen, der in der Folge in drei Zonen aufgeteilt wurde. Der Norden wurde unter sowjetische und der südliche Teil mit den wichtigsten Ölfeldern unter britische Verwaltung gestellt. Ein winziges Gebiet in der Mitte des Iran verblieb unter iranischer Kontrolle. Reza Schah wurde zum Rücktritt gezwungen.</p>
<p>Im Vorfeld hatte Churchill veranlaßt, ihn mit den Mitteln „schwarzer Propaganda“ in den Augen seiner Landsleute herabzusetzen. An die Stelle von Reza Schah trat dessen Sohn Mohammed Reza, dessen Kompetenzen aber von den Besatzungsmächten auf „repräsentative Funktionen“ eingeschränkt wurden. Immerhin konnte Mohammed Reza Schah aber in einem Dreimächteabkommen die Zusicherung der Alliierten erreichen, den Iran nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu räumen. Bis dahin behielten sich die Alliierten vor, mehr oder weniger uneingeschränkt die Kontrolle auszuüben. Mit diesen Maßnahmen waren alle Voraussetzungen für den Ausbau jener Nachschublinie erfüllt, die als „persischer Korridor“ kriegsentscheidende Bedeutung erlangen sollte.</p>
<p><strong>Die Amerikaner schalten sich ein</strong></p>
<p>Bereits im September 1941, also gut zweieinhalb Monate vor der deutschen Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten, nahm auf Initiative Churchills eine US-Militärmission die Arbeit im Iran auf, die sich direkt am Aufbau einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur im Iran beteiligte. Denn nur mit gesicherten Transportwegen konnte das erreicht werden, was sich die Westalliierten erhofften, nämlich die ununterbrochene Belieferung der Roten Armee mit Millionen von Tonnen an kriegswichtigem Material. Die Amerikaner blieben nicht untätig: In iranischen Häfen wie Chorramschahr, Bandar-e Shapur (heute: Bandar-e Imam Khomeni) und Basra entstanden Ausladeeinrichtungen, Lagerräume, Werften und so weiter. Und es wurden Straßen gebaut, über die neben britischen bald schon US-Laster rollen sollten, darunter der Studebaker US6, der als Katjuscha-Lafettenträger („Stalinorgel“) diente.</p>
<p>Auf deutscher Seite blieben diese Aktivitäten nicht unbemerkt. So kommt eine für Hitler bestimmte Analyse vom 13. April 1942 zu folgendem Ergebnis: „In ihrem Bestreben, die Sowjetunion zu unterstützen, werden Großbritannien und die Vereinigten Staaten in den kommenden Wochen und Monaten alle erdenklichen Anstrengungen unternehmen, um die Verschiffung von Material, Truppen und Ausrüstung zu steigern. Inbesondere die Nachschublieferungen über die Basra-Iran-Route werden in den Kaukasus und an die Südfront gehen. Alle britischen und amerikanischen Materiallieferungen, die Rußland über den Nahen Osten und Kaukasus erreichen, sind extrem nachteilig für unsere Offensive.“ Die Verfasser dieser Studie, das zeigte sich nur zu bald, sollten in allem Recht behalten.</p>
<p><strong>Die „Brücke zum Sieg“</strong></p>
<p>Im Oktober 1942 – die Schlacht um Stalingrad ging ihrem Höhepunkt entgegen – übernahmen die Amerikaner schließlich ganz das Ruder. Das „Persian Gulf Command“ (P. G. C.) ersetzte die Briten, die auf andere Kriegsschauplätze verteilt wurden. Von nun an lief der Nachschub an die Sowjetunion ohne nennenswerte Unterbrechungen. Allein im Jahre 1942 – diese Zahlen legte der US-Militärhistoriker Thomas Hubbard Vail Motter in seiner 1952 erstmals publizierten Arbeit The Middle East Theatre. The Persian Corridor and Aid to Russia vor – gelangten 144.000 Lkws, 11.200 Flugzeuge, 20.000 Panzer und 44.200 Gewehre zur Roten Armee. Jeden Tag durchliefen rund 2.000 Transporte den Iran. Es wurde über Rüstungsgüter hinaus alles geliefert, was irgendwie von Nutzen sein konnte, so zum Beispiel auch Lebensmittel, Kleidung und Medikamente. Selbst eine komplette Autofabrik ging in die Sowjetunion und fertigte Fahrzeuge der Marke Ford.</p>
<p>Es greift deshalb nicht zu weit, wenn man feststellt, daß diese Lieferungen die Rote Armee überhaupt erst in den Stand versetzten, ab November 1942 in einen Bewegungskrieg „deutschen Musters“ überzugehen. Vor allem deshalb ging aus deutscher Sicht die Schlacht um Stalingrad verloren. Aber nicht nur das: Die Wehrmacht mußte einem mobiler und materialmäßig ständig überlegener werdenden Gegner in der Folge mehr und mehr die Initiative an der Ostfront überlassen.<br />
Im Mai 1943 beliefen sich die US-Lieferungen – so Wolfgang Schlauch in seiner Arbeit Rüstungshilfe der USA 1939–1945 (1985) – bereits auf über 100.000 Tonnen monatlich und übertrafen damit britische Lieferungen um das Zehnfache. Insgesamt wurden in der Zeit von November 1941 bis Mai 1945 rund 4,1 Millionen Tonnen Kriegsmaterial für die Sowjetunion über den „persischen Korridor“ geliefert, was zirka 25 Prozent der Gesamtlieferungen an die Sowjetunion gleichkommt. Die strategische Bedeutung dieses „Korridors“ kann deshalb nicht hoch genug veranschlagt werden. US-Präsident Roosevelt bezeichnete ihn denn auch als „Brücke zum Sieg“.</p>
<p><strong>Langfristige Sicherung des US-Einflusses</strong></p>
<p>Natürlich blieb das nicht ohne Widerstand seitens der traditionell deutschfreundlichen Iraner. Dieser Widerstand kam aber über einige vage Versuche nicht hinaus und hat den Fluß der Dinge nicht behindern können. So blieben Russen und Briten, denen die Iraner mit starker Abneigung begegneten, im Land. Die Abneigung gegen die Russen ging auf die Zarenzeit zurück, beginnend mit der Annektion Georgiens im Jahre 1801, das der Iran bis dahin zu seiner Einflußzone gezählt hatte. Die Briten, die die Kontrolle der iranischen Verkehrsverbindungen nach Britisch-Indien sicherzustellen trachteten, besetzten eine Zeitlang den Südiran. Darüber hinaus hatten sie sich über die 1909 gegründete „Anglo-Persian Oil Company“ den Zugriff auf iranische Ölquellen erzwungen.</p>
<p>Roosevelt erkannte sehr schnell die geostrategische Bedeutung des Iran und sondierte Möglichkeiten, den US-Einfluß auf den Iran langfristig zu sichern. Die Möglichkeit hierfür bot der Wirtschaftsexperte Arthur Millspaugh. Von Mohammed Reza Schah zum General­bevollmächtigten für die Staatsfinanzen ernannt, ebnete er immer weiteren US-Wirtschaftsexperten den Weg in den Iran. Sehr schnell, so der französische Journalist Gérard de Villiers in seinem Buch Der Schah (1975), befanden sich in allen iranischen Ministerien US-Amerikaner in Schlüsselpositionen. Den Iranern wurde auf der Teheran-Konferenz 1943, auf der Mohammed Reza Schah nicht geladen war, zugestanden, daß ihnen als Kompensation für die Kriegslasten territoriale Integrität und finanzielle Hilfen als Wiedergutmachung für die Kriegslasten gewährt werden würden.</p>
<p>Die Sowjets sollten das nur zu bald anders sehen. Als nach dem Ende des Krieges im März 1946 der „Truppenrückzug“ aus dem Iran begann, marschierte die Rote Armee nicht nur in Richtung Teheran, sondern brachte auch noch Hunderte von Panzern ins Land. Außerdem drängten die Russen darauf, daß eine iranisch-sowjetische Ölgesellschaft gegründet werden sollte. Erst unverhüllte Drohungen von US-Präsident Truman an die Adresse Stalins führten schließlich zum Rückzug der Sowjets.</p>
<p><strong>Die Folgen des Mossadegh-Putsches</strong></p>
<p>Nachhaltig verdunkeln sollte sich das Renommee der US-Amerikaner im Iran erst durch den Sturz der Regierung des iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh im Iran im Jahre 1953. Hierzu hat Pulitzer-Preisträger Stephen Kinzer von der New York Times im letzten Jahr eine neue Untersuchung mit dem Titel Im Dienste des Schah. CIA, MI6 und die Wurzeln des Terrors im Nahen Osten vorgelegt. Der Grund für den Putsch gegen Mossadegh lag vor allem in dessen Absicht, die „Anglo-Persian Oil Company“ verstaatlichen zu wollen. Hiergegen sträubten sich inbesondere die Briten, die im Verein mit den Amerikanern den populären Mossadegh ab- und durch den Schah ersetzten. Pikanterweise war Mossadegh ein Anhänger der parlamentarischen Demokratie und ein Bewunderer Abraham Lincolns sowie der Vereinigten Staaten.</p>
<p>Letztlich sollte dieser Putsch für die USA aber katastrophale Konsequenzen haben. Dem repressiven Regime des Schah folgte 1979 die Islamische Republik Khomenis. ­Mahmud Ahmadinedschad hat übrigens auf seiner oben erwähnten Pressekonferenz diesen Putsch direkt angesprochen und in diesem Zusammenhang Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright zitiert, die mit Blick auf die Absetzung Mossadeghs im März 2000 resümierte: „Dieser Staatsstreich war ein ganz klarer Rückschlag in der politischen Entwicklung des Iran. Es ist leicht einzusehen, warum so viele Iraner den USA diese Intervention übelnehmen.“</p>
<p>Michael Wiesberg</p>
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		<title>Der Reiter von Windhuk</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 23:01:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[ 
Deutsches Schutztruppendenkmal steht wieder

Der Reiter von Windhuk steht wieder. Etwa hundert Meter vom alten Standort entfernt hält er nun vor der Alten Feste über der Hauptstadt Wacht. Im nicht gerade an Denkmälern reichen Namibia gehört er zu den bekanntesten und beliebtesten Fotomotiven. Täglich posieren Touristen aus aller Welt in seinem Schatten, und mehrmals im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_103" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><strong><strong><a rel="attachment wp-att-103" href="http://www.d-mz.de/archives/115/schutztruppe1"><img class="size-medium wp-image-103" title="schutztruppe1" src="http://www.d-mz.de/wp-content/dateien/2010/04/schutztruppe1-300x186.jpg" alt="Deutsche Schutztruppen-Kompanie in Deutsch-Südwestafrika auf dem Marsch" width="240" height="149" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Deutsche Schutztruppen-Kompanie in Deutsch-Südwestafrika auf dem Marsch</p></div>
<p><strong>Deutsches Schutztruppendenkmal steht wieder<br />
</strong></p>
<p>Der Reiter von Windhuk steht wieder. Etwa hundert Meter vom alten Standort entfernt hält er nun vor der Alten Feste über der Hauptstadt Wacht. Im nicht gerade an Denkmälern reichen Namibia gehört er zu den bekanntesten und beliebtesten Fotomotiven. Täglich posieren Touristen aus aller Welt in seinem Schatten, und mehrmals im Jahr treffen sich Vertreter der deutschen Minderheit zu seinen Füßen, als einem Symbol ihrer deutsch-südwester Identität. Daß er noch so dasteht, wie er im Jahre 1912 am Geburtstag des deutschen Kaisers Wilhelm II. (27. Januar) eingeweiht wurde, ist schon ein kleines Wunder, denn die Worte: „Der eherne Reiter der Schutztruppe, der von dieser Stelle aus in das Land blickt, verkündet der Welt, daß wir hier die Herren sind und bleiben werden“ des damaligen Gouverneurs Dr. Theodor Seitz wurden schneller von der Wirklichkeit eingeholt, als es sich irgendjemand hatte träumen lassen.<span id="more-115"></span></p>
<p>Die Welt war schon fast ganz unter den großen Kolonialmächten aufgeteilt, als am 1. Mai 1883 der gerade einmal einundzwanzigjährige Heinrich Vogelsang im Auftrag des Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz die Bucht von Angra Pequena („Kleine Bucht“), die heutige Lüderitzbucht, erwarb. 200 alte Gewehre und 100 englische Pfund hatte der Nama-Häuptling Josef Fredericks II. dafür verlangt. Die fünf Meilen Hinterland, die das Gebiet außerdem umfaßte, waren bezogen auf die preußische Meile, die etwa 7,5 Kilometern entspricht. Mit den deutschen Maßen jedoch mußten die Einheimischen in den folgenden Jahrzehnten erst vertraut werden. Das erworbene Gebiet wurde am 24. April 1884 unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt, um die Landerwerbungen des Bremer Kaufmanns gegen britische Gebietsansprüche zu sichern. Die erste offizielle Flaggenhissung fand am 7. August 1884 unter Beteiligung Josef Fredericks II., der Besatzungen zweier deutscher Kriegsschiffe – der Kreuzerfregatte Leipzig und der Korvette Elisabeth – und Vertretern der Firma Lüderitz am Fort Vogelsang in Lüderitzbucht statt. Die Basis für Deutsch-Südwest war gelegt.</p>
<p><strong>Der Helgoland-Sansibar-Vertrag</strong></p>
<p>Vogelsang schloß weitere Verträge über Gebietserwerbungen ab, und bereits 1885 konnte in Otjimbingwe der erste Verwaltungssitz eingerichtet werden. 1890 vergrößerte sich Deutsch-Südwest um den Caprivizipfel im Nordosten, der den Anschluß zum Sambesi-Fluß herstellte. Dieser Gebietsgewinn beruhte auf dem mit Großbritannien abgeschlossenen Helgoland-Sansibar-Vertrag. Am 18. Oktober des gleichen Jahres wurde auf Betreiben des Hauptmanns Curt von François der Grundstein für die Feste „Groß Windhuk“ gelegt. Die Schutzgebietsverwaltung wurde bald darauf in diese Festung verlegt. Um sie herum entstand im Laufe der kommenden Jahre die spätere Landeshauptstadt Windhuk, die heute offiziell „Windhoek“ heißt.</p>
<p>Deutsch-Südwestafrika war anderthalb mal so groß wie das Deutsche Reich und nur dünn besiedelt: Vor der deutschen Inbesitznahme lebten dort etwa 80.000 Herero, 60.000 Owambo, 35.000 Damara und 20.000 Nama. Bis 1914 hatten sich nahezu 12.000 Deutsche in der Kolonie angesiedelt, mehr als in jedem anderen der deutschen Schutzgebiete. Neben dem Abbau von Diamanten und Kupfer war es insbesondere die Viehzucht, die deutsche Siedler ins Land lockte. Den wirtschaftlichen Aufbau begleitete der Ausbau des Eisenbahnwesens. 2.100 Kilometer waren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges fertiggestellt. In Siedlungszentren wie Windhuk prägten Bauten in deutscher Formensprache die Straßenzüge.</p>
<p>Die einheimischen Stämme waren in ihrer Vielzahl kriegerisch. Seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden wiederholten sich die immer gleichen Auseinandersetzungen um Wasserstellen, Weidegebiete und den Ruhm der Stammeshäuptlinge. Mit der gedeihlichen Entwicklung des Schutzgebietes vertrug sich diese Tradition jedoch nicht, noch viel weniger, als sich sehr bald die Übergriffe auch gegen die Deutschen richteten. Farmen wurden geplündert, Eisenbahnlinien und Handelsstationen überfallen. Die anfangs noch schwachen Schutztruppen reichten nicht aus, Ruhe und Ordnung in dem weitläufigen Gebiet herzustellen. Die Witboois (zu den Nama gehörend), die seit 1888 zunächst im Krieg mit den Hereros standen und dann gegen die Deutschen vorgingen, konnten daher erst 1894 besiegt werden. Mit Kapitän Hendrik Witbooi, ihrem Häuptling, wurde ein Schutzvertrag abgeschlossen, der seinem Stamm ein eigenes Siedlungsgebiet zusicherte. Von 1903/04 bis 1908 zogen sich die Kämpfe gegen die aufständischen Hereros und Namas hin. Generalleutnant Lothar von Trotha führte die Truppen erfolgreich, konnte aber nicht verhindern, daß rund 1.365 deutsche Siedler und Soldaten ihr Leben lassen mußten.</p>
<p><strong>Zeichen des Sieges</strong></p>
<p>Das Reiterdenkmal in Windhuk erinnert an diese Opfer, ist Zeichen des deutschen Sieges und Herrschaftsanspruches, drückt aber auch die Hoffnung auf eine nun endlich befriedete und fruchtbare Entwicklung des Schutzgebietes aus. Allzu kurz jedoch war die Zeit des Friedens. Als der Erste Weltkrieg in Europa ausbrach, überfiel die mit Großbritannien alliierte Südafrikanische Union die deutsche Kolonie. Deutscherseits hatte man auf die Kongoakte von 1885 gehofft, in der sich die europäischen Mächte verpflichtet hatten, einen Krieg nicht auf die Kolonien auszuweiten. Die Schutztruppen waren den Südafrikanern hoffnungslos unterlegen und mußten 1915 die Waffen strecken. Etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung Südwestafrikas wurde bis zum Juli 1919 nach Deutschland zwangsevakuiert. Das Ende von Deutsch-Südwestafrika wurde mit dem Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 besiegelt. Es wurde zum Mandatsgebiet des Völkerbundes erklärt und unter die Verwaltung der Südafrikanischen Union gestellt.</p>
<p>Die verbliebenen Deutschen konnten weiterhin ihr Volkstum pflegen. In den Jahren zwischen den Weltkriegen versammelten sich Vertreter der deutschen Sprachgruppe regelmäßig am Reiterdenkmal in Windhuk, dem – neben dem Soldatenfriedhof am Waterberg – wichtigsten Ort für solche Gedenkrituale. Anlaß für die Feiern waren der jährlich begangene „Volkstrauertag für die Gefallenen des Weltkrieges“, der „Totensonntag“ und der so genannte „Waterbergtag“. Am 25. Jahrestag des „großen Eingeborenenaufstandes“ (1929) oder bei dem im Jahre 1934 durchgeführten „Tag der deutschen Jugend Afrikas“ wurden Kränze niedergelegt. 1969 wurde das Reiterdenkmal vom Südwestafrikanischen Denkmalsrat zum „National Monument“ proklamiert. Eine eher antikolonialistische Interpretation des Reiterdenkmals erfolgte vornehmlich durch Personen aus der Bundesrepublik Deutschland, darunter „Wissenschaftler“ und Journalisten, die meist auch in der Antiapartheid-Bewegung oder in Dritte-Welt-Initiativen engagiert waren.</p>
<p><strong>Kein Denkmalsturz</strong></p>
<p>Nach der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 kam es nicht zu dem von vielen Weißen befürchteten Denkmalssturz. Die Zerstörung alter kolonialistischer Herrschaftssymbole wurde in dem jungen Staat Namibia bzw. von der neuen SWAPO-Regierung nicht als Voraussetzung für den politischen Neuanfang gesehen. Bis heute haben jedoch zahlreiche Straßenumbenennungen in fast allen Städten Namibias stattgefunden. Witbooi wurde zum Nationalhelden. Präsident Samuel Nujoma bezeichnete Schwarzen-Führer als Helden des Befreiungskampfes, die sich durch ihren Widerstand gegen die deutsche und südafrikanische Fremdherrschaft für Freiheit, Menschenrechte und Gerechtigkeit eingesetzt hätten.</p>
<p>Die aktuelle Versetzung des Denkmals geschah, um Platz für den Bau eines Museums zur Geschichte der namibischen Unabhängigkeit zu machen. Die nordkoreanischen Architekten konnten die schwarzen Machthaber Namibias offenbar mit der Ästhetik der kommunistischen Architektur überzeugen. Der Bruch, den der Neubau in das historische deutsche Ensemble aus Alter Feste, Christuskirche, Tintenpalast, Parlament und Staatsmuseum (Alte Realschule) hineinbringt, ist offenbar beabsichtigt. Dagegen werden deutsche Kulturdenkmäler aus der Kolonialzeit staatlicherseits dem Verfall preisgegeben.</p>
<p>Peter Umbert</p>
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