WASHINGTON. In Europa sind immer noch zahlreiche US-Atombomben stationiert, darunter 160 bis 200 Stück des in die Jahre gekommenen Typs B61. Zwischen 10 und 20 B61-Atombomben sollen sich auf dem Fliegerhorst der Gemeinde Büchel in der Eifel (Rheinland-Pfalz) befinden. Statt den Ballast aus dem Kalten Krieg endgültig abzuziehen, plant die US-Regierung seit Jahren, die nuklearen Sprengkörper zu modernisieren. „Life Extension Program“, also ein Programm zur Verlängerung der Lebensdauer, heißt das Vorhaben. Die geschätzten Kosten dafür haben sich auf sechs Milliarden Dollar (4,6 Mrd. Euro) mehr als verdreifacht, wie Experten berichten.
Damit sinken die Chancen, daß der Plan verwirklicht wird, freuen sich Kritiker wie der frühere US-Botschafter in Deutschland Richard Burt. „Wir bezweifeln ernsthaft, ob dieses Programm zu Ende geführt wird“, sagte der Diplomat gegenüber Spiegel Online. Im Fokus der Kritik befinden sich nicht nur die Kosten, sondern auch die Art der Modernisierung. Veraltete Komponenten sollen ersetzt, neue Sicherheitsvorrichtungen sowie neue, bisher noch nicht ausgereifte Zünder eingebaut und die gesamte Konstruktion durch die Zusammenfassung von vier alten zu einem neuen Modell verändert werden – ein ambitioniertes Projekt. Durch ein Heckteil mit steuerbaren Flossen soll die neue B61-12 eine bisher nicht gekannte Präzision erreichen können.
Jedes Exemplar soll mit bis zu vier Gefechtsköpfen bestückt werden können, mit einer Sprengkraft zwischen 0,3 und 45 Kilotonnen TNT (die Hiroshima-Bombe kam auf 15 Kilotonnen TNT Sprengkraft). Träger soll der Tarnkappen-Kampfjet F-35 sein. Insbesondere die kleineren Versionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Einsatzes, daher ist der Widerstand gegen diese Waffe selbst im US-Kongreß groß. Der frühere US-Präsident Georg Bush jr. mußte deshalb 2005 seine Pläne für „Mini-Nukes“ begraben. Kommen sie jetzt durch die Hintertür? Für Rußland ist das Programm neben dem Raketenschild ein weiteres Bedrohungsszenario. Für all jene im Kreml, die der NATO ohnehin mit großer Skepsis begegnen, sei die Atombomben-Modernisierung eine „Steilvorlage“, meint Hans Kristensen von der Federation of American Scientists (FAS).



