Züricher Flughafenpolizei rüstet auf
Die modernen Flughäfen der Weltmetropolen sind Dreh- und Angelpunkte ganzer Gesellschaften und Volkswirtschaften. Sie ermöglichen jährlich Millionen von Menschen einen schnellen Blick auf die schönen und fernen Plätze der Erde, und der Wirtschaft schnelle, flexible Transportkapazitäten. Damit gehören sie zur kritischen Infrastruktur ersten Ranges – und sind bei potenziellen Angreifern entsprechend begehrte Ziele.
Steigende Bedrohung
Groß-Flughäfen sind als Anlage wuchtig im Ausmaß, aber gleichzeitig leicht verletzbar und filigran in ihrer Struktur. Sie benötigen, gerade bei steigender Bedrohung durch terroristische Angriffe, besondere Aufmerksamkeit und Schutz. Ganze Heere von zivilen und behördlichen Sicherheitskräften führen auf den europäischen Flughäfen mit moderner technischer Ausrüstung diesen Auftrag aus. Auf dem Freigelände des Flughafens Zürich sorgt seit 27 Jahren das gepanzerte 6×6-Radfahrzeug „Piranha“ von Mowag für die nötige Beweglichkeit der Polizeigrenadiere. Angepaßt an die neue Qualität der aktuellen Bedrohung durch hochgerüstete Kleinstgruppen oder Einzeltäter wurde im Oktober 2011 ein neues Einsatzfahrzeug an die Zürich Flughafen AG und die Flughafenpolizei Zürich übergeben. Was zeichnet das neue Fahrzeug aus der General Dynamics Mowag-Schmiede aus?
Technische Daten
Der Name „Eagle“ deutet bereits die Stärken des Vehikels an. Es setzt mit seinen 5,40 Metern Länge und einer Breite von 2,20 Metern optisch einen neuen Maßstab. Mit einer Höhe von nur 2,40 Metern erlaubt die schnittige Gesamtform eine Straßengeschwindigkeit von beachtlichen 110 Stundenkilometern. Dabei bewältigt der „Eagle“ durch den permanenten Allradantrieb locker Steigungen von bis zu 60 Prozent, die auf Flugplätzen aber ohnehin eher eine Seltenheit sind. Mit einer Bodenfreiheit von 0,40 Metern und einem Böschungswinkel von 40 Prozent Steigerung kann er jeden Geländepunkt des Flughafens sicher erreichen. Für ein Einsatzfahrzeug seiner Klasse hat der „Eagle“ einen kleinen Wendekreis von nur 15 Metern. Der 250 PS-Motor – 6 Zylinder-Turbodiesel gekoppelt – und das 5 Stufen-Automatikgetriebe verleihen dem „Eagle“ fast Flügel. Trotz seiner sieben Tonnen Leergewicht besitzt er auch im Gelände eine erstaunliche Mobilität. Dafür sorgt auch die hydraulisch unterstützte Lenkung. Die grobstollige 335/80 R 20 Bereifung hat zusätzliche Notlaufeigenschaften. Für seine Aufgabe als Patrouillenfahrzeug ist das Vehikel mit einem Paket von Innovationen für den täglichen Dienst der Flughafenpolizei präpariert. Es hat dazu eine Nutzlast von bis zu drei Tonnen, was eine umfangreiche Beladung der Stauräume erlaubt. Die elektrisch geschweißten Panzerplatten weisen eine hohe Festigkeit auf und sind mit Halterungen für weitere Zusatzpanzerungen versehen. Im Innenraum-Modul finden fünf Beamte sicheren Platz und Schutz. Eine Dachluke ermöglicht es einem Präzisionsschützen, aus der Deckung heraus auf Angreifer zu wirken. Der große 180 Liter-Tank ermöglicht einen Einsatzradius bis zu 700 Kilometern, der zwar die eine oder andere Fahrt zur Tanksäule spart, auf dem Flughafengelände aber kaum ausgenutzt werden dürfte. Eine Klimaanlage erleichtert den Insassen bei jedem Wetter den täglichen Dienst. Neben dem hohen Schutzniveau gegen ballistische Bedrohungen verschiedener Kaliber verfügt das Fahrzeug auch über eine ABC-Schutzanlage. Im Winter gewährleisten die beheizbaren Panzerglasscheiben immer eine klare Sicht. Alles in allem besitzt der „Eagle“ also eine hohe Durchsetzungsfähigkeit gegen unkonventionelle Bedrohungen.
Die unterschiedlichen Versionen der breit gefächerten „Eagle“-Familie sind bereits in vielen Armeen der Welt im globalen Einsatz. Unter anderem wurden fast 500 Fahrzeuge allein von der Bundeswehr für den Afghanistan-Einsatz beschafft. Auch die deutsche Bundespolizei nutzt das Vehikel am Hindukusch.
Urs Wängler



